Gute Gesprächsqualität im Gesundheitssystem

Warum ist die Verbesserung von Gesprächsqualität wichtig?


Gespräche zwischen Gesundheitsfachkräften und Bürgerinnen/Bürgern sind Studien zufolge hochrelevant für Gesundheits-Outcomes. Gesprächsqualität im Gesundheitssystem ist daher nicht als vernachlässigbares „nice to have“, sondern als unerlässliches Werkzeug und als wirksame Intervention in Gesundheitsförderung, Prävention und Krankenversorgung zu verstehen. Gute Gesprächsführung ist lehr- und lernbar und kann durch strukturelle und organisationale Rahmenbedingungen ermöglicht und gesteuert werden.

Die Ergebnisse diverser Studien zeigen, dass die Gesprächsqualität in Österreich dem EU-Durchschnitt hinterher hinkt.

 

Bundesweite Strategie zur Etablierung einer patientenzentrierten Kommunikationskultur


Vor diesem Hintergrund wurde als eine Maßnahme zur Umsetzung des Gesundheitsziels 3 von den Zielsteuerungspartnern eine  bundesweite Strategie zur Verbesserung der Gesprächsqualität erarbeitet, die am 1. Juli 2016 von der Bundeszielsteuerungskommission beschlossen wurde.

Die Umsetzung dieser Strategie gemeinsam mit den relevanten Stakeholdern begann 2017 unter dem Dach der ÖPGK, die das Thema Gesprächsqualität einen ihrer Schwerpunkte gewählt hat.

 

Was wird die ÖPGK im Jahr 2018 dafür tun?


  • Wissenschaftliche Begleitung, Koordination und Durchführung des bundesweiten ÖPGK-Netzwerks Gesprächsqualität zur Vernetzung von Umsetzerinnen und Umsetzern von Maßnahmen zur Verbesserung der Gesprächsqualität im Gesundheitssystem aus Forschung und Praxis
  • Vorbereitung und Einrichtung eines Austauschforums im Rahmen der ÖPGK zur bundesweiten Koordination, Begleitung, Evaluation und zum Wissensaustausch
  • Dissemination und Kommunikation der Strategie bei den Zielsteuerungspartnern und weiteren wesentlichen Stakeholdern
  • Unterstützung der Entwicklung von evidenzbasierten fachlichen Grundlagen, v.a. eines Train-The-Trainer-Programms
  • Unterstützung von Vorbereitungsarbeiten für die bundesweite Erprobung in Piloteinrichtungen

 

Umsetzung der Strategie


Die Umsetzung der Strategie zur Verbesserung der Gesprächsqualität im Gesundheitssystem wird derzeit vorbereitet. Angesetzt wird an der Personenebene, der Ebene der Gesundheitseinrichtungen und der Ebene des Gesundheitssystems. Entsprechend dieser Ebenen ergeben sich folgende Handlungsfelder:

  • Das Empowerment von Gesundheitsfachkräften, Patientinnen/Patienten und deren Angehörigen für gesundheitskompetente Kommunikation,
  • die Weiterentwicklung von Gesundheitseinrichtungen hin zu gesundheitskompetenten Organisationen und
  • die Re-Orientierung des Gesundheitssystems auf eine patientenzentrierte Kommunikationskultur (siehe Abbildung „Ebenen und Handlungsfelder zur Verbesserung der Gesprächsqualität im Gesundheitssystem“).
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Handlungsfeld Mitarbeiter-Empowerment


Um Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen in Hinblick auf gute Gesprächsführung bestmöglich fortbilden zu können, wird im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur und in Kooperation mit EACH: International Association for Communication in Healthcare ein evidenzbasiertes Praxis-Manual für Kommunikationstrainerinnen/-trainer inklusive einem Muster-Trainingsprogramm entwickelt. Im Rahmen eines durch den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger finanzierten Train the Trainer-Programms werden Trainerinnen/Trainer für den Einsatz in Kommunikationstrainings in Gesundheitseinrichtungen weiterqualifiziert, und ein Trainernetzwerk aufgebaut.

 

Weitere Informationen zum Train the Trainer-Programm für Gesprächsqualität

 

Handlungsfeld Patienten-(Angehörigen)-Empowerment


Patientinnen/Patienten und deren Angehörige sollen zu gesundheitskompetenter Kommunikation befähigt werden. Dazu entwickeln die ÖPGK und ihre Mitglieder verschiedene Strategien. Evidenzbasierte, geschlechtergerechte Gesundheitsinformation trägt dazu bei, dass Patientinnen/Patienten und ihre Angehörigen zu informierten selbstbestimmten Entscheidungen gelangen können. Die „Gute Gesundheitsinformation Österreich“ bietet hierfür Kriterien und ein praktisches Instrument. Es richtet sich an Auftraggeberinnen/Auftraggeber und Erstellerinnen/Ersteller von Gesundheitsinformation für Konsumentinnen/Konsumenten von Gesundheitsleistungen, Versicherte, Patientinnen/Patienten und Angehörige. Die Zielgruppe der Auftraggeberinnen/Auftraggeber und Erstellerinnen/Ersteller von Gesundheitsinformation hat es in der Hand, Gesundheitsinformationen verständlicher, zutreffender und geschlechtergerechter zu machen.

Eine weitere Strategie besteht darin, Patientinnen/Patienten und Angehörige zu schulen. Öffentlichkeitswirksame Kampagnen können Patientinnen/Patienten und ihre Angehörigen für Gespräche mit Gesundheitsfachkräften stärken. Schulungen und Kampagnen können die Zielgruppe Konsumentinnen/Konsumenten von Gesundheitsleistungen, Versicherte, Patientinnen/Patienten und Angehörige befähigen, gesundheitskompetenter zu kommunizieren.

 

Handlungsfeld Organisations- und Prozessentwicklung


Um Gesundheitseinrichtungen dabei zu unterstützen, gesundheitskompetente Einrichtungen zu werden, sollen nach einer initialen Selbstbewertung lokale Organisationsentwicklungsprozesse zu folgenden Bereichen durchgeführt und evaluiert werden:

  • routinemäßige Kommunikationssituationen und -prozesse
  • interprofessionelle Teamkommunikation
  • Personalplanung und Diensteinteilung
  • Patienten- und Angehörigenbeteiligung
  • Einsatz unterstützender Medien und Technologien

 

Handlungsfeld Gesundheitssystementwicklung


Um die Re-Orientierung des Gesundheitssystems auf eine patientenzentrierte Kommunikationskultur zu unterstützen, wurde das ÖPGK-Netzwerk Gesprächsqualität initiiert. Es vernetzt bundesweit Umsetzerinnen und Umsetzern von Maßnahmen zur Verbesserung der Gesprächsqualität im Gesundheitssystem aus Forschung und Praxis. Ziele des Netzwerks sind Wissensaustausch, Dissemination der Strategie, Initiierung von Umsetzungsmaßnahmen, und Diskussion und Bewertung der Ergebnisse von Umsetzungsmaßnahmen. Das 2.Treffen des Netzwerks findet am 26.04.2018 10:30-16:00 Uhr im Klinikum Klagenfurt statt.

Falls Sie selbst aktuell eine Initiative zur Verbesserung der Gesprächsqualität im Gesundheitssystem durchführen und Interessen an einer Teilnahme am Netzwerk haben, wenden Sie sich bitte an die Koordinationsstelle (oepgk@goeg.at).

 

Autorin: Marlene Sator, Gesundheit Österreich GmbH

 


Weiterführende Informationen:

Verbesserung der Gesprächsqualität in der Krankenversorgung. Kurzbericht.

www.bmgf.gv.at/home/Gesundheit/Gesundheitsreform/Verbesserung_der_Gespraechsqualitaet_in_der_Krankenversorgung

Top-qualifizierte Kommunikationstrainerinnen und -trainer für Gesundheitseinrichtungen

Start des Train the Trainer-Programms: Kommunikationstrainings in der Krankenversorgung

EACH: International Association for Communication in Healthcare