Rahmenbedingungen in Organisationen & Settings

"Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. "

Ottawa Charter for Health Promotion, 1986

Lange lag der Fokus der Gesundheitskompetenz auf der Wissensvermittlung an einzelne Personen, vor allem im Rahmen der Krankenbehandlung. Forschung und Praxis haben jedoch längst aufgezeigt, dass sich die für Gesundheitskompetenz nötigen persönlichen Fähigkeiten nur im Kontext systemischer Rahmenbedingungen gut entwickeln können.

Das heißt: Gesundheitskompetenz entsteht im Zusammenspiel von persönlicher Motivation (Wollen) und individuellen Kompetenzen (Können) in Auseinandersetzung mit der jeweiligen Informations- und Angebotsumwelt (Ermöglichen).

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ÖPGK-eigene Darstellung nach Parker 2009 Figure 6-1 Health literacy framework, p.92

Was ist eine gesundheitskompetente Organisation?

Eine gesundheitskompetente Organisation schafft Rahmenbedingungen, damit Gesundheitskompetenz in Organisationen gelebt werden kann. Diese Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass gute Gesundheitsinformationen gefunden und verstanden werden, dass medizinisches Personal genug Zeit und Kompetenz für patientenzentrierte Gespräche hat – und dass sich Patientinnen und Patienten besser zurechtfinden, zum Beispiel bei der Navigation durch eine Gesundheitseinrichtung.

Das Konzept der gesundheitskompetenten Organisation ist ursprünglich in Hinblick auf Organisationen des Gesundheitswesens entwickelt worden. In den USA hat das Institute of Medicine zehn Merkmale einer Gesundheitskompetenten Krankenbehandlungsorganisation entwickelt [1].

Dieses Konzept war Ausgangspunkt für die Entwicklung des Wiener Konzeptes Gesundheitskompetenter Krankenbehandlungsorganisationen (WKGKKO). Das WKGKKO beinhaltet ein Selbstbewertungs-Instrument für Krankenhäuser, das auf neun Standards beruht, und macht Gesundheitskompetenz damit auf Organisationsebene bearbeitbar.

Unterstützung für gesundheitskompetente Organisationen

Für gesundheitskompetente Organisationen oder solche, die es werden wollen, bietet die Selbsteinschätzung einen idealen, gemeinsamen Auftakt, um die Ausgangslage zu analysieren und einen Sensibilisierungsprozess in Bezug auf die Wichtigkeit des Themas einzuleiten. Anerkennungs- bzw. Zertifizierungsprozesse haben sich ebenfalls bewährt. Die ÖPGK entwickelt zum Beispiel Instrumente oder Leitfäden, um Organisationen zu unterstützen.

Beispiele guter Praxis

Einrichtungen mit besonderem Beispielcharakter:

[1] Brach, C., Keller, D., Hernandez, L. M., Baur, C., Parker, R., Dreyer, B., Schyve, P., Lemerise, A.J., Schillinger, D. (2012). Ten Attributes of Health Literate Health Care Organizations [dt. Übersetzung: „Zehn Merkmale Gesundheitskompetenter Krankenversorgungsorganisationen“], Washington, DC: Institute of Medicine of the National Academies.

Dietscher, Christina; Lorenc, Jakob; Pelikan, Jürgen (2015): Pilottestung zum „Selbstbewertungs-Instrument für die organisationale Gesundheitskompetenz von Krankenhäusern“ gemäß dem Wiener Konzept Gesundheitskompetenter Krankenbehandlungsorganisationen. LBIHPR Forschungsbericht

Parker, Ruth (2009): Measuring health literacy: What? So what? Now what. In Measures of health literacy: workshop summary (pp. 91-98). Washington, DC: National Academies Press.

Pelikan, Jürgen M.; Dietscher, Christina; Straßmayr, Christa (2023): Organisationale Gesundheitskompetenz: Überblick. In: Gesundheitskompetenz. Hg. v. Rathmann, K. et al. Springer, Berlin – Heidelberg. 1-S. 17

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