HLS-PROF Hintergrund und Methodik

Abstract

Hintergrund
Studien zur Gesundheitskompetenz (GK) zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung über eine geringe GK verfügt. Die Förderung der GK stellt daher eine wichtige Aufgabe dar. Den Gesundheitsprofessionen/-berufen (GP/GB) kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Um die GK ihrer Patientinnen/Patienten stärken zu können, müssen die GP/GB jedoch über vielfältige Fähigkeiten verfügen. So müssen sie professionell relevantes Fachwissen finden, verstehen, einschätzen und in ihrem Berufsalltag anwenden können, um ihre Patientinnen/Patienten auf dem neuesten Informations- und Wissensstand zu informieren. Zudem müssen sie in der Lage sein, Informationen so zu vermitteln und zu kommunizieren, dass Patientinnen/Patienten diese verstehen und für ihre eigene Gesundheitserhaltung nutzen können. Ebenso benötigen die Fähigkeit zur patientenzentrierten Kommunikation wie auch dazu, Patientinnen/Patienten im Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationen zu unterstützen. Inwieweit GP/GB über diese professionelle Gesundheitskompetenz verfügen, ist allerdings unklar, denn bislang existierte
weder eine klare Definition noch ein geeignetes Messinstrument.


Methoden
Im Rahmen dieser Drei-Länder-Studie wurde deshalb ein neues Konzept sowie eine darauf aufbauende Definition erarbeitet. Nach dieser neuen Definition lassen sich vier Aufgabenbereiche unterscheiden: (1) professionelles Informations- und Wissensmanagement, (2) Informations- und Wissensvermittlung (mit
fünf Teilbereichen), (3) patientenzentrierte Kommunikation und (4) professionelle digitale Gesundheitskompetenz. Darauf basierend wurde ebenfalls ein neues Erhebungsinstrument zur Messung der professionellen GK entwickelt und bei ausgewählten GP/GB eingesetzt.
Die Befragung fand in allen DACH-Ländern im Sommer 2022 mittels computergestützter Online-Interviews (CAWI) statt. Insgesamt konnten damit 921 Ärztinnen/Ärzte und Pflegefachpersonen in Deutschland, 3.876 Pflegekräfte, Ärztinnen/Ärzte und Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten in Österreich
und 1.613 Pflegekräfte, Ärztinnen/Ärzte, Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten und Apothekerinnen/Apotheker in der Schweiz befragt werden.


Ergebnisse
Die Studienergebnisse zeigen vergleichbare Schwierigkeitsniveaus und ähnliche Antwortmuster in den
drei Ländern. Für alle GP/GB in den DACH-Ländern ist die patientenzentrierte Kommunikation der einfachste und die professionelle digitale Gesundheitskompetenz – also die Unterstützung der Patientinnen/Patienten im Umgang mit digital verfügbaren Gesundheitsinformationen – der schwierigste Aufgabenbereich.
Auf der Ebene der einzelnen Aufgaben zeigt sich, dass es bei dem Informations- und Wissensmanagement für alle GP/GB am schwierigsten ist „statistische Ergebnisse korrekt einzuordnen“ und die „die wissenschaftliche Basis (Evidenz) fachlicher Informationen zu beurteilen“. Im Aufgabenbereich „Informations- und Wissensvermittlung“ stellt der Teilbereich „mit Herausforderungen bei der Informationsvermittlung umgehen“ alle GP/GB in allen drei Ländern vor die größte Herausforderung. Besonders schwer fällt hier der Umgang „mit fehl- oder falschinformierten Patientinnen/Patienten“. Im dritten Aufgabenbereich sind für alle GB/GP die Aufgaben „Patientinnen/Patienten ausreichend Raum für Fragen zu geben“ und sie „an Entscheidungen zu beteiligen“ am schwersten. Patientinnen/Patienten bei dem Finden und der Beurteilung von digitalen Gesundheitsinformationen zu unterstützen sind für alle GP/GB in allen drei Ländern die schwersten Aufgaben im Aufgabenbereich „professionelle digitale Gesundheitskompetenz“. Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass eine gute Vorbereitung auf die Aufgaben der professionellen GK durch die Ausbildung und gute organisationale Rahmenbedingungen einen positiven Einfluss auf die professionelle GK haben.


Schlussfolgerungen
Die Pilotstudie liefert damit zahlreiche Hinweise, wo zukünftig angesetzt werden könnte, um die professionelle GK der GP/GB und damit auch die GK der Patientinnen/Patienten zu stärken.