Gute Gesundheitsinformation zwischen Konflikt und Kooperation

Eine Zusammenfassung der Vorträge und Diskussionen der Impulswerkstatt im Rahmen der Gesundheitsgespräche des europäischen Forums Alpbach 2017.

Die gesundheitskompetente Bürgerin/der gesundheitskompetente Bürger ist das Ziel aktueller gesundheitspolitischer Zielsetzungen. Alltäglich werden Entscheidungen im Sinne der Gesundheit getroffen. Gute und verlässliche Informationen sind dabei eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Ob Artikel oder Webportale, Apps oder Broschüren: Gesundheitsinformationen sind allgegenwärtig und zählen zu den meist genutzten Informationsangeboten. Damit Gesundheitsinformationen auch dazu beitragen, die Gesundheitskompetenz der Österreicherinnen und Österreicher zu stärken, braucht es qualitätsvolle verständliche Gesundheitsinformationen. Doch was ist gute Gesundheitsinformation?

Wie gute Gesundheitsinformation aussehen soll, wurde in österreichischen Standards definiert. Seit März 2017 gibt es diese Standards unter dem Namen „Gute Gesundheitsinformation Österreich“.

Standards noch wenig bekannt

Bei den Medien, Gesundheitsberufen, Patientinnen/Patienten und Finanziers des Gesundheitssystems sind diese Standard der Praxis jedoch noch wenig angekommen und teils mit Interessenskonflikten behaftet. Die unterschiedlichen Zielsetzungen führen zwangsläufig zu unterschiedlichen Botschaften, die teilweise konfliktär zu einander stehen. Bernd Kerschner von der Donau-Universität Krems zeigte im Rahmen seines Einführungsvortrags zur Impulswerkstatt im Rahmen des europäischen Forums in Alpbach sehr deutlich, dass die Idee von guter Gesundheitsinformation in Österreich bis dato noch nicht sehr breit umgesetzt wird. Anhand ausgewählter Beispiele verdeutlichte er einmal mehr die Notwendigkeit zu einem sukzessiven Ausbau der guten Gesundheitsinformation.

Bernd Kerschner © Maria Moisternig, SVA der gewerblichen Wirtschaft

Welche Interessen verfolgen die Aktuerinnen/Akteure? Gibt es Konflikte zwischen den Akteurinnen/Akteuren? Wenn ja, welche? Und gibt es potenzielle Kooperationsmöglichkeiten im Sinne einer breiten Umsetzung von guter Gesundheitsinformation? Diesen Fragen wurde im Anschluss an den Impulsvortrag von Kerschner im Rahmen einer interaktiven Impulswerkstatt nachgegangen.

Klare Botschaften gefragt

Allgemeiner Tenor war, dass es oftmals sowohl an der Verständlichkeit, an der Transparenz der dahinterliegenden Botschaft, als auch an der Qualität der Informationen mangelt. Ein Gütesiegel, an dessen Erarbeitung alle wesentlichen Akteurinnen/Akteure beteiligt sind, könnte dem Abhilfe schaffen. Patientinnen/Patienten benötigen klare Botschaften und Wegweiser durchs System. Doch die beste Gesundheitsinformation nutzt nichts, wenn die Patientinnen/die Patienten keinen Zugang dazu haben.

Ein wesentliches Ergebnis der Impulswerkstatt war, dass es hier jedoch noch vermehrte Investition in Schulungen der Gesundheitsdiensteanbieterinnen/-anbieter braucht, um das Wissen über gute Gesundheitsinformationen und dessen Quellen in die Breite zu bringen und somit die Patientin/den Patienten zum informierten Co-Produzenten seiner Gesundheit zu machen.

Autor: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

 

Download: Gute Gesundheitsinformation Österreich und ihre 15 Qualitätskriterien

Hinweis: Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist mit seinen Projekten „Gesundheitskompetente Sozialversicherung“ und „Gesundheitskompetenz-Coaching in Einrichtungen der Sozialversicherung“ Mitglied der ÖPGK.
Die Donau-Universität Krems ist mit dem Projekt „medizin-transparent.at“ Mitglied der ÖPGK.

 

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