Gemeinsam gut entscheiden – Die Top 5 der Vorsorgemedizin

Herausgeber: Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation
Jahr: 2021

Die Ärzte-Initiative Gemeinsam gut entscheiden hat sich zum Ziel gesetzt, ein Bewusstsein in der Bevölkerung dafür zu schaffen, dass ein Mehr an Medizin nicht in jedem Fall besser ist. Untersuchungen, Tests und der Einsatz von Medikamenten werden in Zusammenarbeit mit medizinischen Fachgesellschaften evaluiert und Top-Listen erarbeitet. Sie betreffen medizinische Maßnahmen, die wenig nützen und möglicherweise sogar schaden. In Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Public Health wurde eine entsprechende Liste für den Bereich der Vorsorgeuntersuchungen entwickelt.

Top Empfehlungen Vorsorgemedizin

Kein Test ohne Symptome bei Bakterien im Harn

Bakterien im Harn kommen vor allem bei älteren Menschen (65 Jahre und älter) relativ häufig vor, ohne dass sie die Beschwerden eines Harnwegsinfekts haben. Hier sind keine Antibiotika notwendig und auch ein Test macht keinen Sinn. Nur wenn die Symptome eines Infekts vorhanden sind, sollte der Harn auf Bakterien untersucht werden.

Knochenbruch-Risiko-Test unter 50 Jahren ist nicht sinnvoll

Ein Osteoporose-Test unter 50 Jahren ist nicht unbedingt erforderlich. Osteoporose ist bei gesunden Menschen in diesem Altersspektrum sehr selten. Früherkennungsuntersuchungen liefern in diesen Fällen keine verlässlichen Ergebnisse. Sie können allerdings weitere Untersuchungen und eine Behandlung mit Medikamenten zur Folge haben.

Test auf Vitamin-D-Mangel ist nicht sinnvoll

Ab wann ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, darüber sind sich Expert*innen nicht einig. Eine routinemäßige Untersuchung des Vitamin-D-Spiegels macht daher nicht unbedingt Sinn. Sonneneinstrahlung und eine abwechslungsreiche Ernährung reichen meist aus. Außer bei Personen über 80 Jahren, die nicht mehr selbstständig leben: Bei ihnen treten Knochenbrüche seltener auf, wenn sie Vitamin-D und Kalzium einnehmen.

Suche nach Typ-2-Diabetes bei Personen ohne Risiko ist nicht notwendig

Nur wenn ein Mensch ein erhöhtes Risiko für einen Typ-2-Diabetes hat, empfiehlt sich eine Früherkennungsuntersuchung. Das ist beispielsweise der Fall, wenn nahe Verwandte von einem Typ-2-Diabetes betroffen sind, oder der Body-Mass-Index bei 25 kg/m² oder darüber liegt.

Keine Suche nach gesundheitsgefährdendem Alkoholkonsum mittels Gamma-GT

Liegt eine Schädigung der Leber vor, zeigt sich die Gamma-GT im Blut erhöht. Sucht man in der allgemeinen Bevölkerung nach Menschen, die zu viel Alkohol trinken, führt eine Untersuchung dieses Werts zu vielen falsch-positiven Ergebnissen. Die Messung der Gamma-GT im Blut ist demnach zu unzuverlässig, um Menschen zu erkennen, die zu viel Alkohol trinken.

Keine Früherkennungsuntersuchung der Nierenfunktion ohne Risikofaktoren

Haben Menschen ein erhöhtes Risiko für eine Nierenerkrankung, empfehlen sich Vorsorgeuntersuchungen zur Überprüfung der Nierenfunktion. Tests bei gesunden Personen führen häufig zu falsch-positiven Ergebnissen oder zeigen Personen auf, deren Krankheit zeitlebens keine Beschwerden verursacht hätte.

Kein Test erforderlich, wenn nichts auf eine Depression hinweist

Sind keine oder kaum Beschwerden vorhanden, ist es nicht sinnvoll, jemanden auf eine Depression hin zu untersuchen. Tests in der Allgemeinbevölkerung resultieren häufig in falsch-positiven Ergebnissen oder finden milde Fälle, die noch nicht behandelt werden müssen. In den bisherigen Studien konnte außerdem nicht gezeigt werden, ob eine Depression, wenn sie früher erkannt wird, zu einem weniger schweren Krankheitsverlauf führt, als eine spätere Behandlung, wenn Patient*innen aufgrund von Symptomen zum*zur Arzt*Ärztin gehen.

Gemeinsam gut entscheiden ist eine Kooperation von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems und dem Institut für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Universität Graz.

Die Broschüre „Die Top 5 der Vorsorgemedizin“ finden Sie hier.

 

Weitere Informationen


 

Erstellt am: 21.07.2021

21.07.2021

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