GES.UND

Langtitel: GES.UND – Gesundheitskompetenz in der gemeindeorientierten Primärversorgung
Einrichtung: PROGES – Wir schaffen Gesundheit
zuständige Leiterin: Mag. Dr. Doris Polzer
Website der Einrichtung: www.proges.at
Maßnahmenkoordinatorinnen: Mag. Dr. Doris Polzer, Geschäftsführung, Mag. Julia Commenda, Projektkoordination
(geplante) Laufzeit: 1. April 2019 bis 31. März 2022
Status: laufend

Zielsetzung der Maßnahme


Folgende Ziele verfolgt PROGES mit GES.UND:

  • Verbesserung der Gesundheitskompetenz aller Bürgerinnen und Bürger durch Aktivierung, Bewusstseinsbildung und Interaktion
  • Partizipation: Mobilisierung der Bewohner/-innen. Diese bringen sich in den Prozess zur gesundheitsgerechten Gestaltung ihrer Lebenswelt ein und beteiligen sich in allen Stufen des Entwicklungs-und Forschungsprozesses (von der Zielsetzung über Projektdesign, Umsetzung, Datenerhebung und Evaluation bis Verwertung)
  • Die Bewohner/-innen Haslachs nehmen sich als fähig und selbstwirksam wahr, gehen aktiv mit Problemen und Belastungen um, formulieren Lösungsansätze und Bewältigungsstrategien und setzen sie um.
  • Vorhandene Ressourcen im Gemeinwesen werden erkannt, verstanden (Gesundheitskompetenz) und verknüpft und so soziale und kommunale Netzwerke gestärkt (ehrenamtliches Engagement, Vereine, Sozial- und Gesundheitsdienstleister…)
  • Institutionen, Vereine und bestehende Initiativen engagieren sich aktiv am Projekt und gewinnen auch gesundheitsrelevante Erkenntnisse für ihre eigene Arbeit (organisationale Gesundheitskompetenz, Vernetzung, Multiplikatorfunktion).
  • UND als Bindeglied zwischen Bevölkerung und PVE: Die Rolle der PVE, im Sinne des PHC Konzeptes, als erste Versorgungsebene mit den Menschen, Familien und Gemeinden in Kontakt zu kommen, wird gestärkt und dabei die organisationale Gesundheitskompetenz der PVE zur Weiterentwicklung des Angebotes über unmittelbare Aspekte der Reaktion auf gesundheitliche Anliegen hinaus gefördert.

 

Ausgangslage


In Haslach an der Mühl gibt es seit Jänner 2018 eine Primärversorgungseinheit. Das Projekt GES.UND ist eine Struktur die außerhalb der medizinischen Versorgung liegt und in enger Abstimmung mit der PVE seit 2019 maßgeblich daran arbeitet, soziale und nachbarschaftliche Potentiale zu nutzen, um die Gesundheitskompetenz zu erhöhen und die Gesundheit der Bevölkerung in Haslach und den umliegenden Gemeinden zu fördern. In enger Kooperation mit der PVE Hausarztmedizinplus in Haslach an der Mühl soll das Projekt die Themen Gemeinwohlarbeit und Primärversorgung zusammenbringen. Im Sinne des COPC-Ansatzes (Community Oriented Primary Care) finden regelmäßige Gesundheitplus-Treffen statt, an denen Gesundheitsprofessionist/-innen, Gemeindevertreter/-innen und Bürger/-innen teilnehmen. Es werden Schwerpunkte der Gesundheitsförderung definiert und in Folge Interventionen (Initiativen) von den Bürger/-innen geplant, organisiert und umgesetzt. Somit werden kontinuierliche Aktionen gesetzt die einerseits Bewohner/-innen zum eigenen Handeln inspirieren und zur aktiven Teilnahme anregen (Capacity building, Empowerment) und andererseits die Gesundheitskompetenz fördern. Die Zielgruppe sind Personen aller Generationen, die in verschiedensten Lebenslagen angesprochen werden. PROGES übernimmt im Projekt die Aufgabe eines Netzwerkknotens mit Koordinations-und Moderationsfunktion zwischen den verschiedenen Akteuren. Durch den partizipativen Ansatz soll die Mobilisierung der Beteiligten und der bisher Unbeteiligten nachhaltig gelingen. Die verbesserte Gesundheitskompetenz der Bevölkerung wird bei den Gesundheit Plus-Treffen und durch die Initiativen und Maßnahmen zurück ins PVE gespiegelt – so wird auch das „System PVE“ gesundheitskompetenter.

Gefördert wird das Projekt GES.UND vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und vom Fonds Gesundes Österreich. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurde mit der externen Evaluation beauftragt.

 

Methodik


GES.UND arbeitete für die Gesundheitskompetenz und Gesundheitsförderung der Bevölkerung, ergänzend und in Kooperation mit der PVE.

Der COPC-Ansatz stellt, aufgrund internationaler Erfahrungsberichte und evidenzbasierter Studien, eine geeignete Methode dar, um eine Brücke zwischen medizinischer Versorgung, Sozialwesen und Gesundheitsförderung zu schlagen (Partizipation, Empowerment, Stärkung der Gesundheitskompetenz).

Ein zentrales Element sind die Gemeinschaftstreffen (Gesundheit Plus-Treffen) im GES.UND, wo es zu einem gleichberechtigten Austausch und einem konstruktiven Arbeiten „auf Augenhöhe“ in einer Gruppe von ProfessionistInnen (u.a. Ärzte) und Bürger/-innen kommt.

Die Projektkoordinatorin arbeitet auch aufsuchend, setzt eigenständig Initiativen und mobilisiert die Bevölkerung(sgruppen) ihre Initiativen umzusetzen. Das aktive Zugehen auf die Menschen ist unumgänglich. Neben der persönlichen Kontaktaufnahme wird die Mobilisierung und Information über verschiedene Aktivitäten über viele weitere Maßnahmen betrieben. Beispiele sind: mobiler Infostand im Gemeindegebiet, Informationsfolder, die über die aktuellen Angebot und Aktivitäten informieren, Aushänge an stark fragmentierten Orten, begleitende Öffentlichkeitsarbeit u.v.m. Beispiele für weitere Initiativen: Aktion „Haslach wird bunt“, Frauengesundheitscafé von afghanischen Frauen, das Erinnerungscafé ist aus einer Kooperation mit der MAS-Demenzberatungsstelle, die Initiative „Generationenschach“. Durch den partizipativen Ansatz sowie das Eingehen von Kooperationen soll die Mobilisierung von Beteiligten und bisher Unbeteiligten nachhaltig gelingen.

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurde mit der externen Evaluation beauftragt. Diese erfolgt mittels „development evaluation“, bestehend aus Zielfindungsworkshop, Dokumentenanalyse, vierteljährliche Reflexionsgespräche, Interviews für Case Studies und Auswertungsworkshop.

Die Ziele der Evaluation: Prozessbegleitung, die Abbildung der Ergebnisse (Wirkungen) der Gemeinwohltreffen und umgesetzten Innovationen, Einschätzung des Projektverlaufs entsprechend der Qualitätskriterien der Gesundheitsförderung.

 

Beitrag zu Wirkungsziel 1


Im Zuge des Projekts wird das Präventionsangebot seitens der PVE erweitert und auf Grundlage der Ergebnisse der Gesundheit Plus Treffen und der Bedarfsanalyse werden neue präventive Angebote für die Patienten und Patientinnen geschaffen. Die Projektkoordinatorin begleitet diesen Prozess. Der partizipative Ansatz lädt alle Menschen ein, sich aktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Mit gezielten Angeboten und Initiativen wird die Gesundheitskompetenz aller Beteiligten (Bewohner/-innen, Mitarbeiter/-innen der PVE, Behörde (Gemeinde)) gestärkt. Durch das Zusammenbringen von Bewohner/-innen auf der einen und Professionisten/-innen auf der anderen Seite in den Gesundheit-Plus-Treffen zielt die Maßnahme letztendlich auch darauf ab ein gesundheitskompetentes Gesundheitssystem und vor allem eine gesundheitsförderliche Kommunikationskultur zu schaffen.

 

Beitrag zu Wirkungsziel 2


Das Angebot von GES.UND richtet sich an Bürger/-innen aller Generationen im Setting Gemeinde unabhängig von sozioökonomischen Determinanten wie Bildungsgrad, Herkunft und/oder Einkommen. Aufsuchendes Zugehen auf bislang schwer erreichbare Zielgruppen sowie aktives Einbeziehen aller in die Planung und Umsetzung der Initiativen erzeugt Beteiligung und spricht Menschen in ihrer Eigenverantwortung im Bereich Gesundheit an.

Beispiele:

  • Das Frauengesundheitscafé Angebot bringt Frauen unterschiedlichen Alters und Herkunft zusammen. Sie können sich zu Gesundheitsthemen informieren und austauschen, Neues ausprobieren, entspannt plaudern, sich gegenseitig stärken und unterstützen und damit Entlastung im Alltag erfahren.
  • Das Erinnerungscafé ist ein regelmäßiges Treffen für Menschen mit und ohne Demenz – für die Besucher/-innen eine Möglichkeit sich zu informieren, sich auszutauschen und etwas Abwechslung im Alltag zu finden.
  • Für Senior/-innen, die ehrenamtlich für andere Senior/-innen tätig sind, wurde ein Workshop zum Thema „Gesundheitskompetenz“ veranstaltet. Sie wurden ermutigt, auch andere zu kritischer Gesundheitskompetenz zu motivieren.
  • Aktivierung und Austausch für die Zielgruppe betreuende und pflegende Angehörige – zur Förderung der Gesundheitskompetenz und Empowerment. Kooperation mit der Caritas Servicestelle für pflegende Angehörige.
  • Rätselralley – Haslacher Rundumweg: In Kooperation mit dem Sportverein Haslach und Haslach Aktiv, im Rahmen der Aktion „Haslach bewegt!“, entstand die Rätselralley für Groß und Klein. An 12 Stationen sind auch Fragen zum Thema „Gesundheit“ zu beantworten.
  • In Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Rohrbach wird im Rahmen eines Projekts zum Thema Gesundheitsrisiko Energydrinks gearbeitet.
  • Pflegestammtisch: In Kooperation mit Gesunde Gemeinden und angeleitet von den DGKPs des PVE Haslach finden diese Stammtische für pflegende Angehörige statt.
  • Entwicklung des Spiels „Die Lebensdauer-Lotterie“. Das Spiel veranschaulicht welche Faktoren über unseren Gesundheitszustand bestimmen und wie sie, gepaart mit spezifischen, verhaltensabhängigen Gesundheitsrisiken unsere Lebenserwartung steigern oder verkürzen können. Es wird im Rahmen des Projekts in den verschiedenen Settings eingesetzt.
  • Bleiben sie GES.UND Telefonkette: Proaktive Versorgung und Begleitung chronisch kranker und psychisch instabiler Menschen während des Lockdowns, mittels Telefonkonsultationen eines multiprofessionellen Teams – bestehend aus Mitarbeiterinnen des PVE´s und GES.UND – Büro.

 

Zielgruppen


  • Zielgruppen im Setting Gemeinde/Stadtviertel: Kinder im außerschulischen Bereich, Jugendliche im außerschulischen Bereich, Erwachsene, Ältere Menschen, Menschen mit Behinderung/chronischer/schwerer Erkrankung, Alleinstehende Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund, Asylwerber/innen, Flüchtlinge, Erwerbsarbeitslose Menschen, Menschen mit niedrigem Einkommen / Bildungsniveau / Stellung im Beruf, Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, Wohnungslose Menschen
  • Zielgruppen im Setting Gesundheits- und Sozialwesen/(öffentliche) Dienstleistungen: Patientinnen/Patienten, Klientinnen/Klienten, Ärztinnen/Ärzte, Pflege- und Betreuungspersonal, Andere nichtärztliche Berufsgruppen (Hebammen, Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten etc.), Berufsgruppen der psychosozialen Versorgung (Psychologinnen/Psychologen, Sozialarbeiter/innen etc.)
  • Zielgruppen im Setting Gesellschaftspolitik/Medien: Mitglieder von Vereinen / Verbänden / Interessensvertretungen – Gesunde Gemeinde Sportvereine, Pfarre, Vertreter/innen der Verwaltung oder Politik – Gemeinderat
03.09.2020

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