Positive Health – cooperate, participate, be active!

Einrichtung: Aids Hilfe Wien
zuständige Leiterin: Isabell Eibl
Website der Einrichtung: www.aids.at
Maßnahmenkoordinatorin: Mag. (FH) Sabine Lex
E-Mail-Adresse: lex@aids-hilfe-wien.at
(geplante) Laufzeit: 20. Mai 2016 bis 30. April 2019
Status: laufend

Zusammenfassung:


Das Aids Hilfe WienProjekt „Positive Health – cooperate, participate, be active“ richtet sich an HIV-positive MigrantInnen mit vergleichsweise geringer Gesundheitskompetenz. Ziel des Projekts ist es, die Gesundheitskompetenz HIV-positiver MigrantInnen zu stärken. Das Projekt setzt hierfür sowohl bei HIV-positiven MigrantInnen, als auch auf Seiten der Gesundheitseinrichtungen an. Auf Basis einer partizipativen Bedarfserhebung wurde ein Training zum Thema „Transkulturelle Kompetenz mit HIV-Schwerpunkt“ für HIV-Fachpersonal konzipiert und durchgeführt. Des Weiteren wurde neues Informationsmaterial sowie gesundheitsfördernde „First Aid Kits“ für neudiagnostizierte HIV-positive MigrantInnen erstellt. Diese werden von österreichischen AIDS-Hilfen, Schwerpunktspitälern sowie niedergelassenen HIV-Spezialisten verteilt. Vernetzungsaktivitäten zwischen der Aids Hilfe Wien und medizinischem HIV-Fachpersonal werden gefördert sowie bestehende Kooperationen mit Betreuungseinrichtungen und demBuddy Verein, ausgebaut.

 

Zielsetzung der Maßnahme:


 

Strategisches Ziel 1: Die Steigerung der Gesundheitskompetenz von HIV-positiven Migrantinnen/Migranten

 

Operationalisierte Ziele:
  • Von HIV-positiven Migrantinnen/Migranten selbst gestaltetes kultursensibles Informationsmaterial (Broschüren und Poster) wird produziert und verteilt. Es hilft Betroffenen ihre Therapie besser zu verstehen und klärt sie über das Leben mit der Krankheit auf. Es wurden insgesamt 1250 Stück Broschüren für neudiagnostizierte HIV-positive Menschen in Englisch und Französisch gedruckt und diese werden in den nächsten 3 Jahren verteilt.
  • Ebenfalls werden mehrsprachige Poster an Gesundheitseinrichtungen zur Aufklärung über Krankheit und Therapie ausgegeben.
  • 300 Stück “First Aid Kits” für neudiagnostizierte HIV-positive Migrantinnen/Migranten werden zusammengestellt. Diese werden von 2017-2019 durch die österreichischen AIDS-Hilfen und Wiener Schwerpunktspitäler ausgegeben werden. Die Kits sollen inhaltlich gesundheitsfördernd sein, zur zielgruppengerechten Erstinformation dienen, sowie als Zeichen für Unterstützung und Ermutigung wahrgenommen werden. Inhalt: Broschüren in verschiedenen Sprachen sowie Pillendosen, Kondome, Gutscheine und ein Notizblock.

Strategisches Ziel 2: Förderung der transkulturellen Behandlungskompetenz von HIV-Gesundheitsdienstleistern

 

Operationalisiertes Ziel:
  • Eine Fortbildung zum Thema „Transkulturelle Kompetenz mit HIV-Schwerpunkt“ für HIV-Fachpersonal wird geplant und durchgeführt. Zweck ist die Schulung der kultursensiblen Beratungs- und Behandlungskompetenz, zur Verbesserung der Interaktion zwischen MitarbeiterInnen von Sozial- und Gesundheitseinrichtungen und Klientinnen/Klienten. (im Jahr 2018 abgeschlossen)
  • Kultursensibles Informationsmaterial wird zukünftig im Test- und Beratungsbereich die Kommunikation des Fachpersonals mit den Patientinnen/Patienten verbessern.

 

Strategisches Ziel 3: Abbau von Zugangsbarrieren von HIV-positiven Migrantinnen/Migranten zum Gesundheitssystem

 

Operationalisiertes Ziel:
  • Vernetzungsaktivitäten zwischen MitarbeiterInnen der Aids Hilfe Wien, HIV Fachpersonal in Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen/Ärzten, die Kooperation mit dem Wiener “Buddy Verein”, mit Selbsthilfegruppen (“Positiver Dialog”) und der mobilen Heimpflege (“Diversity Care”) sowie Migrantenbetreuungseinrichtungen werden gefördert, um den Zugang der Patientinnen/Patienten zum System zu erleichtern und die Qualität in der Versorgung zu steigern.
  • Durch partizipative Beteiligung der Zielgruppe an der Projektarbeit wird sichergestellt, dass die geplanten und umgesetzten Maßnahmen auch zielgruppengerecht gestaltet sind und damit von der Zielgruppe angenommen werden.
  • Von der Zielgruppe selbst gestaltetes mehrsprachiges Informationsmaterial klärt über die Krankheit und Therapie auf und informiert über Gesundheitsservice-Anlaufstellen

 

Ausgangslage:


Gesundheitskompetenz ist eine wichtige Voraussetzung, um Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen und den Zugang zu bestehenden Gesundheitsangeboten, auch im HIV-Bereich zu nutzen. Menschen mit Migrationshintergrund haben auf Grund von Sprachbarrieren, sozialer Ungleichheit und Diskriminierung, sowie Orientierungslosigkeit im Gesundheitssystem, Schwierigkeiten Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und sie anzuwenden.
Laut Österreichischer HIV-Kohorten Studie ist ein Drittel aller HIV-positiven Menschen in einem anderen Land als Österreich geboren. In der praktischen Arbeit der Aids Hilfe Wien zeigt sich deutlich, dass die Gruppe der HIV-positiven Personen mit Migrationshintergrund (migrant people living with HIV – mPLHIV) die gesundheitsfördernden Angebote des Aids Hilfe Hauses nicht in dem Ausmaß nutzt, wie es ihrem vermuteten Bedarf entspricht.
Mit dem Projekt “Positive Health” sollte daher erhoben werden, welche Faktoren (z.B. konkrete lokale Lebenssituation der Betroffenen) den Zugang zum Gesundheitssystem einschränken und auf welche Weise die Gesundheitskompetenz HIV-positiver Migrantinnen/Migranten adäquat gestärkt werden kann.
Ziel des Projekts ist es, mPLHIV zu unterstützen, richtige Entscheidungen hinsichtlich ihrer physischen und mentalen Gesundheit zu treffen. Sie erhalten einen besseren Zugang zum Gesundheits- und Sozialsystem und erfahren eine Stärkung der Selbstwirksamkeit. Dadurch wird ihre Teilhabe am Behandlungsprozess optimiert und gesteigert.

 

Methodik:


Im Projekt war partizipative Arbeit besonders wichtig, um einen Zugang zur Zielgruppe zu erhalten und Materialen und Angebote zielgruppengerecht zu gestalten. Die Zielgruppe der mPLHIV wurde partizipativ in die Erhebungsphase, die Planung und Umsetzung der Angebote und Evaluierung dieser miteingebunden. Aber auch MitarbeiterInnen im HIV Versorgungssektor wurden als Zielgruppe in diesem Projekt berücksichtigt und in alle Phasen eingebunden. Die Erhebung, Planung und Umsetzung erfolgte unter Berücksichtigung der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und verwandter nationaler und internationaler Projekte.

Partizipative qualitative Bedarfserhebung zur Ausgangslage und Verbesserungsmöglichkeiten der Gesundheits- und Behandlungskompetenzen:

  • Fokusgruppen mit HIV-Fachpersonal
  • Experten-Interviews
  • Leitfadenorientierte In-Depth Peer-to-Peer Interviews mit HIV-positiven Migrantinnen/Migranten
  • Peer Research mit Hilfe von Arzt zu „Arzt-Patienten-Kommunikation“, zielgruppengerechtem Informationsmaterial und psychosozialen Unterstützungsmöglichkeiten

 

Umgesetzte Maßnahmen:

  • Training für bessere Kompetenzen des HIV-Fachpersonals im transkulturellen HIV-medizinischen Kontext, um ein stärkeres Verständnis für die Zielgruppe hervorzurufen und verbesserte Dienstleistungen und Unterstützung anbieten zu können
  • Adaptierung zweier belgischer von mPLHIV partizipativ gestalteter Broschüren zum Thema Therapie und Leben mit HIV zum Vertrieb in Österreich geplant und umgesetzt
  • Gesundheitsfördernde “First Aid Kits” für neudiagnostizierte mPLHIV (Kosmetiktäschchen befüllt mit Informationsmaterial, Pillendosen, Kondomen, Notizbuch, Gutschein)
  • Kooperation mit dem “Buddy Verein” (Wien) zur Unterstützung HIV-neudiagnostizierter Migrantinnen/Migranten
  • Ausbau des Netzwerkes des HIV-Fachpersonals durch bessere Nutzung bereits bestehender Plattformen und Angeboten wie z.B. Balintgruppen

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Das Projekt „Positive Health“ fokussiert auf die Steigerung der Gesundheitskompetenz von HIV-positiven Migrantinnen/Migranten und deren verbesserten Zugang zum Gesundheitssystem. Dies geschieht sowohl durch Partizipation HIV-positiver Migrantinnen/Migranten als auch von MitarbeiterInnen HIV-spezialisierter Gesundheitseinrichtungen durch:

  • partizipativ gestaltetes Informationsmaterial (zur Aufklärung über Therapie, Leben mit HIV und relevante Anlaufstellen)
  • fortlaufende Adaptierung der bestehenden Angebote in der Aids Hilfe Wien, verstärkt ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Zielgruppe
  • Verbesserung der Vernetzung der Wiener HIV-Gesundheitsanbietern (Kooperation Aids Hilfe Wien mit „Buddy Verein“ Wien, Wiener Schwerpunktspitälern und niedergelassenen HIV-spezialisierten Ärztinnen/Ärzten in Wien) und Ausbau des nationalen Netzwerkes des HIV-Fachpersonals durch fokussierte Nutzung bereits bestehender Vernetzungsplattformen und erweiterter Angebote wie z.B. Balintgruppen
  • Stärkung der transkulturellen Kompetenz durch ein Training für MitarbeiterInnen im HIV-Gesundheitsbereich (Titel: “Fortbildungsseminar Transkulturelle Kompetenz im Gesundheitsbereich mit HIV Schwerpunkt“). Zwei externe Trainerinnen schulen ca. 25 Personen in transkultureller Beratungs- und Behandlungskompetenz. Einrichtung einer Dropbox mit Trainingsunterlagen für Teilnehmerinnen/Teilnehmer und andere Interessierte, die nicht am Training teilnehmen konnten und als Basis für zukünftige Trainings. Diese Maßnahmen verbessern das Verhältnis und die Kommunikation zwischen Serviceanbietern und mPLHIV, steigern den Zugang zum Gesundheitssystem von mPLHIV und deren Inanspruchnahme gesundheitsfördernder Angebote (z.B. können HIV-positive Migrantinnen/Migranten mit Hilfe dieser Maßnahmen psychosoziale Unterstützungsangebote besser wahrnehmen und verstärkt nutzen, bzw. Termin-Compliance und Medikamentenadhärenz werden gesteigert). Dies trägt zur verbesserten nachhaltigen Integration und/oder Versorgung von HIV-positiven Menschen bei. Die Qualität der Versorgung von mPLHIV wird gesteigert und ihre Partizipation in der individuellen Gesundheitsversorgung gefördert.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Die Maßnahmen des Projektes decken im Rahmen des Wirkungsziels 2 vor allem den Punkt „Empowerment, Selbstbestimmung, Aufbau von Gesundheitskompetenz und Selbstkompetenz in Bezug auf die eigenen Gesundheit fördern“ ab. Diese Faktoren werden u.a. durch mPLHIV-Partizipation in der Projektarbeit gefördert. Die Kooperation mit dem Buddy Verein zur individuelleren Unterstützung von mPLHIV und der Plan positive Klientinnen/Klienten der AHW mit Migrationshintergrund zukünftig selbst als Buddies ausbilden zu lassen, unterstützt diese ebenfalls. Aber auch das partizipativ gestaltete Informationsmaterial und die First Aid Kits tragen zu einem Aufbau einer kritischen Gesundheitskompetenz und Selbstkompetenz in Bezug auf die eigene Gesundheit bei HIV-positiven Migrantinnen/Migranten bei. Durch die Bedarfserhebung wurde in Erfahrung gebracht, welche Angebote und Informationen in der AHW Zielgruppen spezifischer gestaltet und zusätzlich angeboten werden müssen, um die persönliche Gesundheitskompetenz der mPLHIV zu stärken. Dies betrifft vor allem die Abteilung der Beratung und Betreuung. Berater, Betreuer und Sozialarbeiter bieten jetzt vermehrt für die Zielgruppe relevante Aktivitäten an und verweisen auf Unterstützungsangebote, welche im Rahmen des Projekt zusätzlich zu bereits bekannten und bestehenden recherchiert wurden.

11.10.2018

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