My Way- mein Weg zu mehr Gesundheitskompetenz

Langtitel: My Way- mein Weg zu mehr Gesundheitskompetenz
Einrichtung: Klinikum Wels-Grieskirchen
zuständige Leiterin/zuständiger Leiter: Mag. Dietbert Timmerer
Website der Einrichtung: www.klinikum-wegr.at
Maßnahmenleiter/in: PhDr. Maximilian Aichinger, MSc
Website der Maßnahme: -
(geplante) Laufzeit: 25. Jänner 2016 bis 08. September 2017
Status: abgeschlossen

Zielsetzung der Maßnahme:


My Way“, das Projekt am Klinikum Wels-Grieskirchen, hat das Ziel, die Gesundheitskompetenz der Patientinnen/Patienten zu stärken. Damit gezielte Behandlung und Gesundheitskompetenz näher zusammenrücken, werden Patientinnen und Patienten ermutigt, aktiv zu werden und Fragen zu stellen. Mitarbeitende sind aufgefordert, nachzufragen und verständliche Informationen anzubieten. Erprobt wird dies derzeit in den Abteilungen der Kardiologie und der Neurologie.

  • Durch die aktive Einbeziehung wird die/der Patientin/der Patient ermutigt, den Heilungs- bzw. Genesungsprozess mitzugestalten. Im Krankenhaus-Setting verfolgt dieser partizipative Entscheidungs- und Zielsetzungsprozess folgende Ziele: Verbesserte Kooperation zwischen Patient und Krankenhausbetreuungs-Team
  • Verstärktes Patientenwissen hinsichtlich Erkrankung und Genesungsprozesses
  • Abklärung, ob durch aktive, reflektierte und aufgeklärte Patientinnen/Patienten der Arbeitsalltag sowie der Prozessablauf der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen wesentlich erleichtert und entlastet werden kann. Erhöhte Fähigkeit einer Selbstwirksamkeit (Reichardt C., Gastmeier P., 2013,
    157)

Ziel des Projektes ist es, außerdem darzustellen, in wieweit Möglichkeiten bestehen, die Patientinnen/Patienten in höherem Maße zur Mithilfe bei der eigenen Genesung während des Krankenhausaufenthaltes und in der Rekonvaleszenz-Phase zu führen.

 

Ausgangslage:


Wer als Patientin/Patient ins Krankenhaus kommt, ist mit vielen Fragen beschäftigt. Eine gute Beziehung zu den Ärztinnen/Ärzten und zum Pflegepersonal ist dann genauso wichtig wie das Bewusstsein dafür, für die Genesung auch selbst zu entscheiden und selbstbestimmt etwas tun zu können. Gleichzeitig nimmt das Tempo für Ärztinnen/Ärzte und das Pflegepersonal in den Krankenhäusern rasant zu. Einerseits steigt durch die demographische Entwicklung der Bedarf an medizinischen Leistungen, andererseits sorgen das Arbeitszeitgesetz und die Verfügbarkeit von Fachpersonal für weitere Herausforderungen in der Sicherstellung des reibungslosen Krankenhausbetriebes. Es steigt die Anzahl der Behandlungen, und somit auch der Dokumentationsaufwand. Patientinnen/Patienten erwarten aber neben der umfassenden Behandlung auch eine umfassende Betreuung.

 

Folgende Fragestellungen ergeben sich daraus:

  • Gibt es für Patientinnen/Patienten die Möglichkeit, selbstbestimmt im Klinik-Alltag aktiv zu werden?
  • Können Patientinnen/Patienten durch Wissen, Aufklärung und Selbstreflexion von einer zumeist passiven Rolle in eine aktive Rolle wechseln?

Die Stärkung der Gesundheitskompetenz soll die Menschen dabei unterstützen, im Alltag selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, die ihre Gesundheit fördern.

 

Methodik:


Zuwendung zu den Patientinnen/Patienten ist schon immer ein wichtiger Bestandteil der Aufgabe des medizinischen Personals. „My Way“ gibt dem aber einen festgelegten Rahmen und erhöht mit seinen Frage- und Reflexionsangeboten das Wissen, das Bewusstsein und die Entscheidungsfähigkeit der Kranken, auch ihren Teil zu Beziehung und Genesung beizutragen. Mit den „My Way“-Bestandteilen Visite-Karte, Diagnose-Karte und Tagebuch haben Patientinnen/Patienten und Mitarbeitende Hilfsmittel zur Hand, um die Gestaltung von Beziehung zum Fixpunkt im Tagesablauf zu machen. „My Way“ folgt einem genauen Ablauf, die Zuständigkeiten sind klar definiert. Zentraler Bestandteil ist die Visite-Karte: Sie regt Patientinnen/Patienten zu gezielten Fragen an und gibt Anleitung dafür, diese zu notieren und für die Visite bereit zu halten.

 

So funktioniert „My Way“ im Krankenhausalltag:

  1. Eine Patientin/ein Patient kommt auf die Station. Im Rahmen der Aufnahme erklärt die Stationsassistentin/der Stationsassistent das Programm mit Visite-Karte, Diagnose-Karte und Tagebuch. Das Angebot gilt für alle Patientinnen/Patienten, es sei denn, es liegen kognitive Einschränkungen vor.
  2. Mit einem Info-Folder im Gepäck kann jede und jeder dann noch einmal in Ruhe am Zimmer nachlesen und sich für oder gegen die Teilnahme entscheiden. Entscheidet man sich dafür, dann wird als Erkennungszeichen für Ärztinnen/Ärzte und Pflegekräfte ein Schild auf dem Nachttisch platziert.
  3. „My Way“-Patientinnen/Patienten bekommen täglich eine Visite-Karte ausgehändigt: Hier notiert man Fragen für die Visite, die einem tagsüber einfallen –auch solche, die man selbst als nicht so wichtig einschätzt. Diese Karte wird bei der Visite aktiv angesprochen, die Fragen werden geklärt.
  4. Die Diagnosekarte wird im Rahmen des Diagnosegesprächs von Ärztin/Arzt und Patientin/Patient gemeinsam ausgefüllt. Somit ist auch besprochen und notiert, was nach der Entlassung in Bezug auf die Gesundheit zu tun ist und erreicht werden kann.
  5. Das kleine Buch „Mein Weg zur Gesundheit“ bekommen Patientinnen/Patienten mit längerem Aufenthalt. Dieses Tagebuch sieht niemand sonst, es eröffnet die Möglichkeit, die aktuelle Situation anhand konkreter Fragen zu reflektieren, seine Gedanken zu ordnen und die eigene Kraft zu stärken.

My Way ist aber nicht nur zur Steigerung der individuellen Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten konzipiert, sondern setzt auch systemisch an. Im Rahmen des Projekts“ wird auch die zeitliche und psychische Entlastung des Personals angestrebt. In der wissenschaftlichen Begleit-Evaluation wird untersucht, ob diese Ziele des Programms im Sinne von Wirksamkeit erreicht werden können.

 

Dazu zählt zum Beispiel:

  • Erforschung, in welchem Ausmaß neue Handlungsoptionen verfügbar sind, welche die Patientinnen/Patienten in ihrer Gesundheitskompetenz stärken und zu mehr Teilhabe und Aktivität während eines Krankenhausaufenthaltes verhelfen.
  • Erforschung, ob durch die Interventionen zur Steigerung der Gesundheitskompetenz auch positive prozessuale und daraus resultierend ökonomische Effekte erzielt werden können.

Insgesamt wird dem Ansatz ein bedeutender Stellenwert für den Beziehungsaufbau und das Kommunikationsmanagement mit bestehenden und zukünftigen Patientinnen und Patienten in der Organisation eingeräumt und es besteht die Bereitschaft, in die Vertiefung des Beziehungsmanagements aktiv zu investieren.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Die Stärkung der Adhärenz und Mitarbeit der Patientinnen/Patienten soll Beiträge zur Erhöhung des Wirkungsgrades der medizinischen und präventiven Maßnahmen und Interventionen bewirken. Die Stärkung der Behandlungspartnerschaft zwischen Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern und Patientinnen/Patienten schafft einen höheren Zufriedenheitsgrad von Gesundheitsfachkräften. Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter werden in dem Projekt ermutigt, auf Patientenfragen und –anliegen vollständig zu antworten. Zahlreiche Problemstellungen in einem Krankenhaus und damit Prozess- sowie Ablaufstörungen entstehen oftmals aus Konflikten in der Kommunikation – insofern kommt dem Beziehungsmanagement eine wesentliche Rolle zu. Die verschiedenen Logiken der Beteiligten – auf der einen Seite wollen Ärztinnen/Ärzte erfolgreich behandeln, auf der anderen Seite wollen Patientinnen/Patienten ihre Sorgen und Beschwerden beachtet wissen – treffen hier aufeinander. Durch das Projekt „My Way“ wird ein Modell zur proaktiven Förderung und Etablierung innovativer Partizipationsmöglichkeiten für die Patientinnen/Patienten der Kardiologie und Neurologie entwickelt, welches auf die etablierten Prozesse Auswirkungen haben kann.

Beitrag zum Wirkungsziel 2:

Die eingesetzten Medien erhöhen den Wissensstand über die eigene Erkrankung und die Fähigkeit, seine eigene Situation zu beurteilen/reflektieren und aktiv mit dem betreuenden Personal zu besprechen. Damit soll ein höherer Grad an Gesundheitskompetenz bei teilnehmenden Patientinnen/Patienten erreicht werden. Durch das gewählte epidemiologisch häufige Krankheitsbild, hat das Ergebnis Bedeutung für einen großen Teil der Bevölkerung.

11.10.2018

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