Gesund entscheiden – nicht so einfach, wenn Lesen und Schreiben nicht selbstverständlich sind!

Für die 4. ÖPGK-Konferenz konnte die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der deutschen Stiftung Lesen, Dr.in Simone C. Ehmig, als Gastrednerin gewonnen werden. In einem Kurzinterview gibt sie einen ersten Ausblick auf Ihren Vortrag und Einblick in das innovative Projekt „HEAL – Health Literacy im Kontext von Alphabetisierung und Grundbildung“.

Redaktion: Die Stiftung Lesen engagiert sich seit 1988 in der Leseförderung. Welche Projekte sind am bekanntesten und erfolgreichsten?

Ehmig: Die Stiftung Lesen erreicht über ein stetig wachsendes Netzwerk von gesellschaftlichen und politischen Akteurinnen/Akteuren Kinder, Jugendliche und ihre Familien nicht nur über die klassischen Bildungseinrichtungen, sondern auch dort, wo man lesefördernde Angebote nicht vermutet und wo Schnittstellen zu ihren Lebenswelten bestehen – bei Kinderärztinnen/-ärzten, in konsum- und freizeitbezogenen Umgebungen, über digitale Kanäle usw. Über bundesweite Programme wie „Lesestart – Drei Meilensteine für Lesen“ und die „Leseclubs“, Kampagnen wie den Bundesweiten Vorlesetag oder Netzwerke wie den „Lehrerclub“ und das „Netzwerk Vorlesen“ schaffen wir Aufmerksamkeit für eine der wichtigsten bildungspolitisch relevanten Aufgaben – wir sensibilisieren und aktivieren bundesweit eine Bewegung für das Lesen, die von Politikerinnnen/Politikern, Unternehmen, Verbänden bis hin zu ehrenamtlich Engagierten alle ins Boot holt.

Redaktion: Lesen spielt in allen Lebensbereichen eine entscheidende Rolle. So kann mangelnde Schriftsprachkompetenz auch Auswirkungen auf die eigene Gesundheit haben. Welche Strategien verfolgt die Stiftung Lesen in diesem Bereich?

Ehmig: Die Stiftung Lesen weckt Lesemotivation über Themen, die in den Lebenswelten der Menschen (vor allem von Kindern und Jugendlichen) wichtig sind. Dazu gehören auch gesundheitsrelevante Fragen und Themen wie Bewegung, Ernährung oder der Umgang mit Krankheiten. Hier haben wir in der Vergangenheit bereits Ansätze entwickelt, die zum Beispiel Lesen mit körperlicher Bewegung in Verbindung bringen oder bei denen Schulklassen sich über Ernährungsthemen mit Texten beschäftigen. Im Rahmen des erwähnten „Lesestart“-Programms arbeiten wir bundesweit mit mehr als 5.000 niedergelassenen Kinderärztinnen/-ärzten zusammen, die Eltern einjähriger Kinder ein Buchgeschenk und eine Ratgeber-Broschüre überreichen und das Vorlesen als wichtigen Teil früher Sprachförderung thematisieren. Auch die Lese- und Medienempfehlungen der Stiftung Lesen greifen Alltagsthemen und grundlegende Fragen auf, zu denen Gesundheitsthemen gehören.

Redaktion: Das Projekt „HEAL – Health Literacy im Kontext von Alphabetisierung und Grundbildung“ hat gerade erst seine Arbeit aufgenommen. Welche Erfahrungswerte konnten Sie bisher sammeln?

Ehmig: Im Rahmen des HEAL-Projekts arbeiten wir mit dem AOK Bundesverband zusammen – einem wichtigen, bundesweit tätigen Akteur im Gesundheitsbereich. HEAL ist ein Vorhaben im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Hier verfolgen Bund und Länder gemeinsam mit zentralen Institutionen, Verbänden, Gewerkschaften, NGOs und Bildungsträgern das Ziel, deutschlandweit Maßnahmen zur Verbesserung der Lese- und Schreibkompetenzen in der Bevölkerung zu etablieren und den Anteil der Personen mit Schriftsprachkompetenzen zu verringern. Studien zeigen einen engen Zusammenhang zwischen den Lese- und Schreibfähigkeiten einerseits und der „Health Literacy“ andererseits, die Kenntnisse und Verhaltensweisen, aber auch Fähigkeiten einschließt, relevante gesundheitsrelevante Information zu identifizieren, zu verstehen und einzuordnen. Das HEAL-Projekt sondiert Schnittstellen und Möglichkeiten der Verzahnung von Alphabetisierung und gesundheitlicher Grundbildung. Im Rahmen von zwei Fachtagungen und qualitativen Erhebungen kommen Expertinnen/Experten beider Bereiche ebenso zu Wort wie Personen, die zu vulnerablen Gruppen gehören, also Menschen mit geringen Schriftsprachkompetenzen, chronisch Erkrankte usw. Aus den Erkenntnissen werden wir im Frühjahr 2019 strategische und programmlich relevante Empfehlungen ableiten und damit – sicher auch über Deutschland hinaus – Anstöße für die Entwicklung geeigneter Ansätze geben, die Grundbildung und Gesundheitsförderung zusammenbringen.

 

Simone C. Ehmig © Stiftung Lesen

Dr.in Simone C. Ehmig,

Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung,

Stiftung Lesen, Deutschland

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen zum HEAL-Projekt

Mehr Informationen zur Stiftung Lesen, Deutschland

Mehr Informationen zur 4. ÖPGK-Konferenz  am 24. Oktober 2018

 

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