INCoPAS

Langtitel: Beratung und begleitende gute schriftliche Gesundheitsinformation für vulnerable Angehörigengruppen von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten
Einrichtung: Fachhochschule Campus Wien - Department Pflegewissenschaft
zuständige Leiterin: FH-Prof. Mag. Dr. Roswitha Engel
Ansprechperson für die Maßnahme in der Einrichtung: Mag. Dr. Simone Grandy
Einrichtung: FHCW Kooperationsstudienstandort am Sozialmedizinischem Zentrum Süd (SZX)
zuständige Leiterin: Elisabeth Breiteneder, MBA
Ansprechperson für die Maßnahme in der Einrichtung: Mag. Brigitte Braunschmidt
Einrichtung: Sozialmedizinisches Zentrum Süd (SZX) - Kaiser-Franz-Josef-Spital
zuständige Leiterin: Silvia Riepl, Direktorin, akad. HCM
Ansprechperson für die Maßnahme in der Einrichtung: Petra Wahrmann
Website der Einrichtung: www.wienkav.at/kav/kfj/
Maßnahmenkoordinatorin: Mag. Dr. Simone Grandy
(geplante) Laufzeit: 1. Oktober 2017 bis 30. April 2020
Status: laufend

Zielsetzung der Maßnahme:


Das Projekt setzt an den Empfehlungen der NICE Leitlinien (2017) an und hat das primäre Ziel, die konkreten Bedürfnisse der Angehörigen von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten in Bezug auf die

(1) Art und Weise der Gesprächsführung mit Pflegepersonen und auf

(2) die Form und den Inhalt einer guten diesbezüglich unterstützenden mündlichen und schriftliche Gesundheitsinformation im akutstationären Setting (nicht einer Stroke Unit) zu erheben.

Im Projekt soll dabei ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse von vulnerablen, schwer erreichbaren Angehörigengruppen („vulnerable Personen“ sind in diesem Kontext definiert als Personen aus bildungsfernen Schichten oder/und mit schlechten Deutschkenntnissen, und/oder Migrationserfahrung) gelegt werden. Sekundäres Ziel ist in weiterer Folge des Projekts die Angehörigen von Schlaganfallpatientinnen/-patienten psychisch zu entlasten, indem in einer Zeit voller Angst und Unsicherheit vom Pflegepersonal für die Zielgruppe maßgeschneiderte Beratungskonzepte für Angehörige von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten aus vulnerablen Gruppen erarbeitet werden kann.

 

Ausgangslage:


Ein Schlaganfall reißt durch das plötzliche Auftreten und dessen je nach Schweregrad unterschiedlichen Folgeschäden nicht nur die betroffenen Patient/innen, sondern auch deren Angehörige akut aus dem bisherigen Leben und führt daher auch bei den Angehörigen zu großen psychischen wie physischen Belastungen. Angehörige brauchen in diesem Kontext und vor allem vor einer Entlassung ihrer Angehörigen aus dem Akutkrankenhaus Unterstützung von Seiten des professionellen Gesundheitspersonals. Pflegepersonen können durch Beratungsgespräche mit begleitenden guten schriftlichen Gesundheitsinformation zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Angehörigen von Schlaganfallpatient/innen beitragen. Die Schlaganfallprävalenz bei Menschen mit niedrigem Bildungsniveau ist höher als in der Gesamtbevölkerung, gleichzeitig sind betroffene Patient/innen und deren Angehörige aus dieser Gruppe und Menschen mit Migrationshintergrund schwer durch unterstützende Selbsthilfegruppen erreichbar; die Beratung der Patientinnen/Patienten und Angehörigen während des Aufenthalts im Akutkrankenhaus und bei der Entlassung ist daher besonders wichtig. Evidenzbasierte Leitlinien (vgl. NICE 2017) betonen, dass gute Gesprächsführung zwischen Gesundheitspersonal und Menschen mit einem akuten Schlaganfall bzw. deren Angehörigen essentiell ist und von evidenz-basierter schriftlicher Information begleitet werden sollte. Dieses Informationsmaterial sollte dabei kultursensibel sein und auch für Personen mit besonderen Bedürfnissen bzw. für Personen, die eine andere Sprache sprechen, zugänglich sein. Um als Pflegepersonal eine optimale Beratung und damit verbundene Entlastung der Angehörigen von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten durchführen zu können, braucht es daher von Seiten der Pflege sowohl

(1) eine gute Gesprächsführung mit evidenzbasierten Informationsinhalten wie begleitend und unterstützend

(2) eine gute schriftliche Gesundheitsinformation, die auch für Personen mit niedrigem Bildungsniveau und Personen, die eine andere Sprache sprechen, verständlich ist.

Um eine gute Gesprächsqualität mit unterstützendem guten Informationsmaterial zu entwickeln, ist es wichtig die Bedürfnisse der Angehörigen von Menschen mit Schlaganfall dieser vulnerablen Gruppe im akutstationären Setting zu kennen.

 

Methodik:


Folgende Forschungsfragen sollen im Projekt beantwortet werden:

  • Welche Bedürfnisse haben Angehörige von Schlaganfallpatient/innen im Kontext der Beratung durch Pflegepersonen?
  • Wie kann Beratung auch bei vulnerablen Angehörigengruppen (niedriger Bildungsstand und/oder schlechte Deutschkenntnisse) gut gelingen?
  • Wie können Angehörige gut für die Pflege der Schlaganfall-Patientinnen/Patienten zu Hause vorbereitet werden?
  • Was ist in diesem Kontext bei der Art und Weise der Gesprächsführung besonders zu beachten? (Gesprächsqualität)
  • Welche Informationsinhalte sind für die Angehörigen mündlich und schriftlich zentral? (welche harte Fakten/ visuelle Aufbereitung/ Verwendung von Piktogrammen)
  • Welche Form der ergänzenden, schriftlichen Gesundheitsinformation ist auch bei vulnerablen Angehörigengruppen denkbar? (Apps, Folder, Handout, Webauftritt etc.)

Zur Beantwortung der Forschungsfrage nach den Beratungsbedürfnissen von Angehörigen von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten wird ein möglichst partizipativer, multiperspektifischer Ansatz in einem qualitativen Forschungsdesign verfolgt. Es sollen daher keine vorgefertigten Informationsideen top-down umgesetzt, sondern es wird großen Wert darauf gelegt, den konkreten Unterstützungsbedarf pflegender Angehöriger von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten (mit besonderem Augenmerk auf vulnerable Gruppen) im Kontext einer Beratungssituation durch Pflegepersonen umfangreich zu verstehen und in weitere Folge darauf aufbauend eventuell anschlussfähige Initiativen auf der neurologischen Abteilung des SZX- Kaiser Franz Josef Spital umsetzen zu können. Zur Beantwortung der Forschungsfrage sollen unterschiedliche Perspektiven auf die Bedürfnisse pflegender Angehöriger von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten (mit besonderem Augenmerk auf vulnerable Gruppen) ermöglicht werden. Es werden daher folgende Gruppen befragt: Von den Betroffenen:

  • Angehörigen und Betroffenen von Schlaganfall-Selbsthilfegruppen
  • Angehörige von Patientinnen/Patienten, die im letzten Halbjahr am SZX-KFJ Spital stationär auf der Neurologie mit der Diagnose Schlaganfall aufgenommen waren.

Von der Pflege: Expertinnen/Experten im Wiener Krankenanstaltenverbund (Entlassungsmanagerinnen/ Entlassungsmanager und erfahrene Pflegepersonen)

Im Projekt kommen 3 unterschiedliche qualitative Erhebungsmethoden zum Einsatz:

  • Gruppendiskussion (mit Angehörigen und Betroffenen aus Selbsthilfegruppen)
  • Leitfadeninterview (mit Angehörigen von Patientinnen/Patienten mit Schlaganfall)
  • und Experteninterview (mit Entlassungsmanagerinnen/-manager und erfahrenen Pflegepersonen).

Die Interviews werden aufgenommen und transkribiert, die Auswertung erfolgt nach der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2003) im Computerprogramm MAXQDA12.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Im Projekt geht es darum eine gute Evidenzgrundlage für die Voraussetzungen für ein gutes pflegerisches Beratungsgespräch für Angehörige von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten zu erhalten und damit eine Grundlage für eine gezielte Stärkung von deren Gesundheitskompetenz zu schaffen. Dabei sollen die Bedürfnisse der vulnerablen Angehörigengruppen (Menschen mit niedrigem Bildungsniveau und/ oder geringen Deutschkenntnissen) an eine Beratungssituation in zweierlei Hinsicht erhoben werden. Das Projekt setzt dabei daran an

(1) die Gesprächsqualität zu verbessern und

(2) eine Grundlage für eine das Beratungsgespräch begleitende gute schriftliche Gesundheitsinformation für vulnerable Angehörigengruppen zu schaffen.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Das Projekt beschäftigt sich im Sinne der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit vor allem mit den Bedürfnissen vulnerabler Personengruppen, da diese über andere externe Stellen (wie z.B. Selbsthilfegruppen) schwer erreichbar sind. Aufbauend auf den Ergebnissen des Projektes kann ein Konzept entwickelt werden, welches eine derart gestaltete Beratung von Angehörigen von Schlaganfall-Patientinnen/Patienten ermöglicht, die die Gesundheitskompetenz derselben nachhaltig verbessert.

09.10.2018

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