Herzensbildung

Langtitel: „Herzensbildung“: Stärkung der Gesundheitskompetenz zur Gesundheitsförderung von kardiologischen Patientinnen und Patienten
Einrichtung: Wiener Krankenanstaltenverbund
zuständige Leiterin/zuständiger Leiter: Univ. Prof.Dr. Binder, Oberin Luhan
Website der Einrichtung: www.wienkav.at/kav
Maßnahmenleiter/in: Dr. Cornelia Schneider
Website der Maßnahme: -
(geplante) Laufzeit: 1. April 2016 bis 31. Jänner 2018
Status: abgeschlossen

Zielsetzung der Maßnahme:


Ziel des Projektes ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz der kardiologischen Patientinnen/Patienten durch standardisierte Informationsmaßnahmen und -angebote: Einerseits durch Einsatz eines mehrsprachigen Aufklärungsvideos sowie andererseits durch „Gruppen-Seminare“ für Patientinnen/Patienten und Angehörige im Rahmen des stationären Aufenthaltes. Die Maßnahmen des Projektes sollen Patientinnen/Patienten befähigen, selbstbestimmt mit ihrer Herz-Kreislauf-Erkrankung umzugehen („Empowerment“) und sich für Verhaltensweisen zu entscheiden, die nicht nur Risikofaktoren reduzieren, sondern auch allgemein die Gesundheit stärken. Insbesondere sollen Patientinnen/Patienten mit niedriger Gesundheitskompetenz durch die Maßnahmen unterstützt werden. Die gebotene Gesundheitsinformation soll insbesondere Patientinnen/Patienten mit einem niedrigen sozioökonomischen Status und Bildungsniveau, Migrantinnen/Migranten aufgrund von Sprachbarrieren und ältere Patientinnen/Patienten, die den höchsten Anteil unter den Behandelten ausmachen, ansprechen. Die Maßnahme und ihre Evaluation bauen auf einem Wirkungsmodell auf, das Ziele auf vier „Ergebnisebenen“ definieren, beobachten und messen hilft.

  1. Gesundheitskompetenz:Ziele sind gesteigertes gesundheits-relevantes Wissen, Fähigkeiten und Motivation bei den Patientinnen/Patienten zur selbstbestimmten Handhabung der Erkrankung und Entwicklung eines gesünderen Lebensstils.
  2. Gesundheitsrelevantes Verhalten:Ziel ist ein erfolgreiches Selbstmanagement der Erkrankung (Einnahme von Medikamenten, Kontinuität der Arztbesuche, Umgang mit Risikofaktoren und Krankheitssymptomen etc.) und individuell selbstbestimmte Verhaltensänderung in Richtung eines gesundheitsförderlicheren Lebensstils (z.B. Ernährung, Bewegung etc.).
  3. Gesundheitsdeterminanten:Ziel ist eine positive Beeinflussung von spezifischen individuellen Gesundheitsdeterminanten (bzw. Risikofaktoren) wie Blutdruck, Blutfettwerte, Körpergewicht oder Umfang der Bewegung etc.
  4. Gesundheit:Ziel ist, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen (Mortalität und Morbidität). Im Sinne eines umfassenden Gesundheitsbegriffes geht es dabei auch um eine möglichst gute Lebensqualität der Patientinnen/Patienten.

Messgröße:Maßnahme ist in den 3 KAV-Krankenhäusern umgesetzt und evaluiert. Ein Evaluationsbericht mit einem Vergleich zwischen einer Kontrollgruppe gegenüber der Interventionsgruppe liegt vor.

 

Ausgangslage:


Herz-Kreislauf-Krankheiten sind in Österreich sowohl die häufigste Todesursache (mit 42,3% im Jahr 2011) als auch die häufigste Diagnose bei Spitalsentlassungen (11,4% im Jahre 2010). Obwohl die altersstrukturbereinigte Sterblichkeit für Herz-Kreislauf-Krankheiten in den letzten zehn Jahren deutlich gesenkt werden konnte, ist aufgrund des demographischen Wandels mit einer Zunahme der Zahl von Patientinnen/Patienten mit Herz-Kreislauf-Krankheiten zu rechnen. Ein wesentlicher Einflussfaktor auf den Verlauf von chronischen Herz-Kreislauf-Krankheiten ist die Fähigkeit der Patientinnen/Patienten, gesundheitskompetent zu handeln und zu entscheiden. Dies betrifft einerseits die modifizierbaren lebensstilassoziierten Faktoren (Ernährung, Bewegung, Rauchen) und anderseits das Selbstmanagement der Erkrankung (z.B. Medikamente in richtiger Dosierung und Zeitabfolge einzunehmen, Bluthochdruck und Cholesterinwerte zu beobachten). Trotz des hohen und unumstrittenen Potentials einer erhöhten Gesundheitskompetenz bei Herz-Kreislauf-Krankheiten wird dieses von den meisten europäischen Gesundheitssystemen nicht systematisch genützt, wie die drei EUROASPIRE Studien deutlich belegen. Die Autorinnen/Autoren der Studie empfehlen daher eine verstärkte Berücksichtigung des Lebensstils und der Gesundheitskompetenz von Patientinnen/Patienten in der Behandlung von (akuten) kardiovaskulären Ereignissen.

 

Methodik:


1. Einsatz eines mehrsprachigen Aufklärungsvideos für alle Patientinnen und Patienten auf den kardiologischen Stationen

  • Das Aufklärungsvideo ist ein Film, der die Informations- und Aufklärungstätigkeiten an den kardiologischen Stationen unterstützen und gezielt ergänzen soll. Zur Auswahl stehen zwei Filmsequenzen jeweils mit knapp 4-minütiger Laufzeit. In einer werden grundlegende Informationen über koronare Herzerkrankungen und häufig durchgeführte Behandlungen, wie die Herzkatheter-Untersuchung, gezeigt. In der anderen werden grundsätzliche Einflussfaktoren und Verhaltensregeln bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen erläutert.
  • Der Film ist medienpädagogisch (z.B. mithilfe von aufwändigen Medizinanimationen, Comicsequenzen etc.) so gestaltet, dass er möglichst viele Patientinnen/Patienten anspricht und keine medizinischen Kenntnisse voraussetzt. Ausgewählt werden können von den Patientinnen/Patienten die Sprachen Deutsch, Türkisch und Bosnisch / Serbisch / Kroatisch.
  • Abspielgerät ist ein Tablet-PC. Die Patientinnen/Patienten haben somit die Möglichkeit individuell zu entscheiden, wann sie dieses Informationsangebot nutzen möchten.

2. Gruppen – Seminar zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Patientinnen/Patienten auf den kardiologischen Stationen

  • Das Gruppen – Seminar wird von den kardiologischen Stationen organisiert und findet in Räumlichkeiten der Station (des Krankenhauses) statt.
  • Bei diesem Gruppen – Seminar werden wesentliche Aspekte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen samt diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen in einer ca. 60-minütigen standardisierten Powerpoint-Präsentation dargestellt und diskutiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der interaktiven Diskussion, wie ein gesundheitsförderlicher Lebensstil den weiteren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Im Anschluss haben die Teilnehmerinnen/Teilnehmer 30 Minuten Gelegenheit, spezifische Fragen zur Entwicklung des eigenen Verständnisses zu stellen, um besser informiert in zukünftige Entscheidungsprozesse gehen zu können.
  • In der Umsetzungsphase soll das Gruppenseminar hierbei einen festen Bestandteil der Versorgung der Patientinnen/Patienten auf der Station ausmachen. Bei Interesse können auch deren Angehörige an dem Seminar teilnehmen.
  • Das Gruppen – Seminar wird mindestens 1x pro Woche von der Station angeboten.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Die Maßnahme orientiert sich an den beiden HLO-Merkmalen „Verständliche Informationsmaterialien“ (siehe Einsatz von Filmen) bzw. „Effektive Kommunikation“ (siehe Gruppenseminar in plain language mit teach back Methode).

 

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Die Maßnahme ermöglicht insbesondere Menschen mit geringer Bildung (Lesekompetenz) zentrales Wissen zu ihrer Erkrankung, Motivation und Fähigkeiten zum Management ihrer Erkrankung und zu gesundheitsförderlichen Lebensstiländerungen zu entwickeln.

11.10.2018

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