HEL4everyone

Langtitel: Health literacy for everyone - Ein Projekt zur Förderung der Gesundheitskompetenz von "hard-to-reach-Gruppen" und der interkulturellen Öffnung im Gesundheitswesen
Einrichtung: Verein IKEMBA
zuständige Leiterin/zuständiger Leiter: Mag. Livinus Nwoha
Website der Einrichtung: www.ikemba.at
Maßnahmenkoordinator/in: Mag. Livinus Nwoha
E-Mail-Adresse: nwoha@ikemba.at
Website der Maßnahme: www.ikemba.at/124.0.html
(geplante) Laufzeit: 1. Jänner 2016 bis 31. Dezember 2016
Status: abgeschlossen

Zielsetzung der Maßnahme:


Verein IKEMBA verfolgt mit dem Projekt „Health literacy for everyone“ das Ziel, die Gesundheitskompetenz von „hard-to-reach“- Gruppen – vor allem von Menschen mit Migrationserfahrung aus sozial schwachen Gruppen – zu fördern und damit interkulturelle Interaktionen im Gesundheitswesen zu verbessern. Durch Outreach-Arbeit sollen die Menschen in ihrem Lebensumfeld erreicht und motiviert werden, an muttersprachlichen Veranstaltungen und Angeboten zur Förderung der persönlichen Gesundheitskompetenz teilzunehmen. Ein weiteres Ziel des Projektes ist die Förderung der interkulturellen Kompetenz in den unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitssystems. Durch Kulturdolmetsch findet für alle Beteiligten eine Sensibilisierung für den interkulturellen Themenkomplex stattfindet und für beide Seiten bietet sich die Möglichkeit zum Dazulernen, zum Austausch und zum interkulturellem Lernen. Daher liegt auf Kooperation, Vernetzung, Vermittlung und Zusammenarbeit mit den professionellen Akteurinnen/Akteuren im Gesundheitswesen ein Projektschwerpunkt. Ein weiteres Ziel des Projektes ist es den Migrantinnen/Migranten, welche im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten wollen, die beruflichen Perspektiven im Gesundheitswesen aufzuzeigen.

 

Indikatoren der Zielerreichung:

Jährliche Anzahl der Teilnehmerinnen/Teilnehmer der jeweiligen Zielgruppen bei allen geplanten Veranstaltungen und Aktivitäten

  • 1000 Migrantinnen/Migranten
  • 10 Community-Leaderinnen/Leader
  • 300 Professionelle des Gesundheitswesens Anzahl jährlich geplanter Aktivitäten
  • 200 Outreach-Einheiten • 30 Infoveranstaltungen zu aktuellen Gesundheitsthemen in den jeweiligen Muttersprachen
  • 10 Exkursionen in Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Fort- und Ausbildung
  • 2 Durchgänge des Empowerment-Kommunikationskurses
  • 200 Begleitungen & Kulturdolmetsch für Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Fort- und Ausbildung
  • 10 Vernetzungstreffen mit Professionellen im Gesundheitswesens & für Fort- und Ausbildungen
  • 3 Community-Leader -Treffen
  • 4 Vernetzungstreffen in den jeweiligen Communities
  • 4 Themenabende bzw. Projektvorstellungen für Interessierte aus dem Gesundheitswesen

 

Ausgangslage:


Es besteht ein Versorgungsmangel vieler Menschen: zu späte Hilfen, nicht erkannte Erkrankungen, fehlende Informationen über Angebote, Zwangseinweisungen sind die Folgen. Menschen mit Migrationserfahrung aus sozial schwachen Gruppen gelten bezüglich Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention als „hard-to-reach“-Gruppen. Gesundheitsförderungsmaßnahmen finden in Settings statt, wo vor allem jene Personen nicht erreicht werden, die es am meisten benötigen: von Armut Betroffene, Armutsgefährdete sowie bildungsferne Menschen – durch mittelschichtorientierte Angebote erreicht man diese Menschen nicht, daher gelten sie auch als „hard-to-reach“. Beispielsweise werden durch betriebliche Gesundheitsförderung weder Arbeitslose noch prekär Beschäftigte erreicht. Und kommt es zu Interaktionen zwischen diesen Personen und professionellen Akteurinnen/Akteuren des Gesundheitswesens, funktionieren diese häufig nicht. Nicht nur sprachliche Schwierigkeiten und unterschiedliche – oft kulturell geprägte – Zugänge zu den Themen Gesundheit, Krankheit und Behandlung erschweren die Inanspruchnahme, sondern auch systembedingte Zugangsbarrieren, wie strukturelle Diskriminierung, Vorurteile oder mangelnde interkulturelle Kompetenz. Die Erfahrungsberichte von IKEMBA werden durch nationale Forschungsberichte und wissenschaftliche Literatur untermauert: „hard-to-reach“-Gruppen verfügen über ein geringes Maß an Health literacy, sind also nicht gut über die Funktionsweise des Gesundheitssystems informiert und haben wenig Kompetenzen, ihre eigene Gesundheit zu fördern.

 

Methodik:


Outreach-Arbeit: Durch die Methode der Outreach-Arbeit im Lebensumfeld der „schwer zu erreichenden“ Menschen werden Kontakte aufgebaut. Die Outreach-Arbeit als aufsuchende und nachgehende Sozialarbeit im interkulturellen Kontext wurde im Amtsblatt der Europäischen Union (L165/31, 2003) definiert als „[…] eine auf die lokale Ebene ausgerichtete Tätigkeit […], die Kontakte zu Einzelpersonen oder Gruppen aus bestimmten Zielpopulationen herstellt, die durch die bestehenden Einrichtungen oder das herkömmliche Gesundheitssystem nicht wirksam erreicht werden.“ Verein IKEMBA hat das Konzept der Outreach-Arbeit durch seine jahrelange praktische Tätigkeit weiterentwickelt und praktiziert und kombiniert die vier Formen der Outreach-Arbeit in Abhängigkeit der örtlichen Gegebenheit sehr erfolgreich: Die Outreach-Arbeit findet sowohl im öffentlichen Raum (Parks, auf der Straße, am Bahnhofgelände,…) als auch in Räumlichkeiten oder Organisationen der jeweiligen Communities (religiöse Zentren, Vereine,…) statt. Dabei steht die enge Zusammenarbeit mit den sogenannten Community-Leaderinnen/Leadern im Vordergrund. Doch auch zu Hause in den Privatwohnungen werden Personen nach Möglichkeit aufgesucht. Im Vereinsbüro hat IKEMBA ein Empowerment-Service nach dem „one-stop-shop“-Prinzip für niederschwellige Beratung und Informationen, aber vor allem für treffsichere Weitervermittlung zu diversen spezialisierten Einrichtungen eingerichtet. Im Moment arbeitet Verein IKEMBA im Projekt „Health literacy for everyone“ in folgenden Communities: albanisch-sprachige Communities, Communities aus afrikanischen Ländern der Subsahara, rumänische Communities, tschetschenische Communities. Neben der Outreach-Arbeit werden folgende Maßnahmen umgesetzt: Begleitungen und Kulturdolmetsch bei Ärztinnen/Ärzten, in Krankenhäusern, Workshops zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen für Community-Leaderinnen/Leadern, Workshops zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen in Muttersprache in den Communities, Gesundheitsbezogene Kommunikationskurse, Exkursionen zu Gesundheitseinrichtungen, Themenabende für interessierte Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich, Vernetzungsarbeit

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Durch das Projekt „Health literacy for everyone“ wird das Diversitätsbewusstsein von Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern des Gesundheitssystems erhöht und für die Bedeutung von interkultureller Kompetenz bzw. interkultureller Öffnung sensibilisiert. Durch Information, Begleitung und Kulturdolmetsch wird zur erfolgreichen Interaktion zwischen den Akteurinnen/Akteuren des Gesundheitswesens und Migrantinnen/Migranten beigetragen, was Letzteren die Navigation im Gesundheitswesen erleichtern und zum Behandlungserfolg beitragen kann.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Durch Outreach-Arbeit gelingt es vor allem jene Menschen mit geringerer Gesundheitskompetenz zu erreichen. Das Empowerment der Personen sowie die Förderung der Selbstkompetenz in Bezug auf die eigene Gesundheit stehen dabei im Vordergrund. Da mit den gesetzten Maßnahmen die Einbindung von bislang benachteiligten Personengruppen in die Gesundheitsversorgung forciert wird, ist dies als Beitrag für eine gesundheitliche Chancengerechtigkeit zu verstehen.

11.10.2018

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