Gesundheitskompetenz und Medikamentenadhärenz von transplantierten Menschen in österreichischen Selbsthilfegruppen

Autorin: Fink Nadja
Erscheinungsjahr: 2020

Um das Langzeitüberleben nach einer Organtransplantation zu verbessern, sind eine regelmäßige Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten sowie umfassende Fähigkeiten und Kenntnisse über die Krankheit unerlässlich.1, 2 Obwohl limitierte Gesundheitskompetenz mit schlechteren Gesundheitsoutcomes assoziiert wird, ist der Einfluss von Gesundheitskompetenz auf die Medikamentenadhärenz bei Menschen nach einer Transplantation wenig untersucht.1

Im Rahmen dieser Masterarbeit wurde unter der Betreuung von FH Prof. Dr. Ralf Reiche, FH Kärnten und Mari Punna, MSc, JAMK University of Applied Sciences von Oktober bis Dezember 2019 eine Querschnittsstudie von transplantierten Menschen aus 11 österreichischen Selbsthilfegruppen durchgeführt. In einer Online-Erhebung wurden Fragen zur Gesundheitskompetenz, zur Medikamentenadhärenz und deren Einflussfaktoren gestellt.

Insgesamt nahmen 106 Menschen nach einer Transplantation an der Online-Erhebung teil. Davon waren etwa drei viertel der Befragten Nierentransplantiert (68%), männlich (73%), Mitglied einer Selbsthilfegruppe (79%) und durchschnittlich M = 57 (SD = 13) Jahre alt. Die Prävalenz der medikamentösen Non-Adhärenz betrug 72%. Als Gründe für die Non-Adhärenz wurden am häufigsten ein wechselnder Tagesrhythmus (27-mal), Vergesslichkeit (22-mal) und Stress am Arbeitsplatz (11-mal) genannt. Etwa die Hälfte der Teilnehmer (47%) zeigte eine limitierte Gesundheitskompetenz. Es konnten keine signifikanten Korrelationen zwischen der Medikamentenadhärenz und der Gesundheitskompetenz sowie für soziodemographische Faktoren festgestellt werden.

Aufgrund der hohen Prävalenz medikamentöser Non-Adhärenz und limitierter Gesundheitskompetenz in der Studienpopulation, wird den Selbsthilfegruppen empfohlen, im Rahmen von Informationsveranstaltungen oder Gruppentreffen die Problematik der Medikamentenadhärenz in verständlicher Sprache zu thematisieren. Bei der Entwicklung von Interventionen in der klinischen Praxis, sollte zukünftig auf die Erfahrungen der Selbsthilfegruppe zurückgegriffen werden.

 

Referenzliste:

[1] Chisholm-Burns et al. (2018). Health literacy in solid-organ transplantation: a model to improve understanding. In: Patient preference and adherence 12, pp. 2325–2338.

[2] Neuberger et al. (2017). Practical Recommendations for Long-term Management of Modifiable Risks in Kidney and Liver Transplant Recipients: A Guidance Report and Clinical Checklist by the Consensus on Managing Modifiable Risk in Transplantation (COMMIT) Group. In: Transplantation 101 (4S Suppl 2), S1-S56.

22.10.2020

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