Gesundheitskompetenz-Erhebung

Warum brauchen wir eine Gesundheitskompetenz-Erhebung für Österreich?


Die Gesundheitskompetenz ist eine zentrale Determinante für Outcomes der Krankenversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung und folglich für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Für die Planung und Bewertung gesundheitspolitischer Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz werden daher verlässliche Daten benötigt, auf deren Grundlage die Entwicklung der Gesundheitskompetenz sowohl auf der Bevölkerungsebene als auch in Teilgruppen der Bevölkerung eingeschätzt werden kann.

Die ersten Daten zur Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung wurden 2011 im Rahmen des European Health-Literacy-Survey (HLS-EU) erhoben. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Österreich in Sachen Gesundheitskompetenz, verglichen mit sieben anderen europäischen Ländern, einen großen Nachholbedarf hat. Basierend auf diesen Ergebnissen  wurde in Österreich der Gesundheitskompetenz eines von zehn Gesundheitszielen gewidmet (Gesundheits­ziel 3 „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“, s. Gesundheitsziele Österreich: https://gesundheitsziele-oesterreich.at/). Darüber hinaus wurde die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) eingerichtet und Gesundheitskompetenz als strategisches und operatives Ziel im Bundes-Zielsteue­rungs­vertrag verankert. Die Stärkung der Gesundheitskompetenz wurde damit zu einem zentralen Eckpunkt der Gesundheitsreform in Österreich. In der neuen Verein­barung gemäß Art 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheits­wesens wurde die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung als Entwicklungsschwerpunkt für die Jahre 2017-2021 (Art. 11) definiert und seit Veröffentlichung der HLS-EU-Ergebnisse (2011) wurden in Österreich zahlreiche Maßnahmen und Interventionen umgesetzt und gestartet.

Zur Beobachtung der Entwicklungen wurde in der Zielsteuerung-Gesundheit eine neuerliche Erhebung der Gesundheitskompetenz verankert. Auf ihrer Grundlage sollen aktuelle Herausforderungen identifiziert werden. Die Österreichische Gesundheitskompetenz-Erhebung (kurz: HLS19-AT) wird in einem internationalen Konsortium innerhalb des «WHO Action Network on Measuring Population and Organizational Health Literacy» (M-POHL) durchgeführt, wodurch abermals ein internationaler Vergleich ermöglicht wird.

Kernbereiche der Gesundheitskompetenz-Erhebung


Im Rahmen des HLS19-AT wird – wie zuletzt in der HLS-EU-Erhebung – die Allgemeine Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung, relevante Determinanten der Gesundheitskompetenz sowie mögliche Konsequenzen einer hohen bzw. niedrigen Gesundheitskompetenz (Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten, Inanspruchnahme des Gesundheitssystems) erhoben.

Die neuerliche Gesundheitskompetenz-Erhebung setzt auch neue Schwerpunkte, die erstmals in Österreich erhoben werden:

  • Digitale Gesundheitskompetenz (siehe unten),
  • Ärztliche Gesprächsqualität,
  • Kompetenz sich mit Hilfe von Informationen im Gesundheitswesen zu orientieren und zurechtzufinden (Navigation im Gesundheitswesen) und
  • Gesundheitskompetenz und Informationen in Zusammenhang mit Impfentscheidungen.

 

Schwerpunkt digitale Gesundheitskompetenz in der Erhebung


Seit der ersten Gesundheitskompetenz-Erhebung (2011) hat sich die Verfügbarkeit und Präsentation von Information zur Krankenbehandlung, Prävention und Gesundheitsförderung stark verändert. Digitale Medien sind als wichtige Informationsquelle nicht mehr wegzudenken und die Nutzung von digitalen Techniken wie z. B. Gesundheits-Apps hat sich intensiviert. Die Digitalisierung hat eine Veränderung im Suchen, Verstehen, Beurteilen und Anwenden von Gesundheitsinformationen bewirkt. Somit wurde das Thema Gesundheitskompetenz um eine Fragenbatterie zum Thema Digitale Gesundheitskompetenz erweitert. Auch zu dieser Thematik wird ein internationaler Vergleich möglich sein.

 

Umsetzung der Gesundheitskompetenz-Erhebung


Die Österreichische Gesundheitskompetenz-Erhebung (HLS19-AT) ist Teil des internationalen Health Literacy Surveys (HLS19), ein Projekt des «WHO Action Network on Measuring Population and Organizational Health Literacy» (M-POHL). M-POHL besteht aus 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO. Die HLS19-Erhebung wird voraussichtlich in 16 Ländern parallel durchgeführt.

In Österreich wird die Gesundheitskompetenz-Erhebung von der GÖG koordiniert (Nationales Studienzentrum im Rahmen der HLS19-Erhebung) und operativ von Gallup Österreich durchgeführt. Im HLS19-AT wird eine repräsentative Stichprobe von 3.000 Personen aus der österreichischen Wohnbevölkerung (18 Jahre oder älter) befragt. Die Erhebung findet telefonisch und auf der Grundlage eines deutschsprachigen Fragebogens statt (März-Juni 2020).

 

Weiterführende Information


M-POHL

Concept Note. For a WHO Action Network on measuring population and organizational HEALTH LITERACY (M-POHL Network) within the European Health Information Initiative (EHII).

Vienna Statement on the measurement of population and organizational health literacy in Europe.

 

WHO

WHO. (2013). The Solid Facts. Health Literacy.

WHO. (2016). Shanghai Declaration on promoting health in the 2030 Agenda for Sustainable Development.

 

HLS-EU

Pelikan, J. M., and Ganahl, K. Measuring Health Literacy in General Populations: Primary Findings from the HLS-EU Consortium’s Health Literacy Assessment Effort. Studies Health Technology Information 240 (2017): 34-59.

Sørensen K, et al. Health literacy in Europe: comparative results of the European health literacy survey (HLS-EU). The European Journal of Public Health. 2015; 25(6):1053-1058.

Sørensen, K, et al. Measuring Health Literacy in Populations: Illuminating the Design and Development Process of the European Health Literacy Survey Questionnaire (HLS-EU-Q). BMC Public Health 13.1 (2013): 948.

Sørensen, K, et al. Health Literacy and Public Health: A Systematic Review and Integration of Definitions and Models. BMC Public Health 12 (2012): 80.

HLS-EU Consortium. Comparative report of health literacy in eight EU Member States. The European Health Literacy Survey HLS-EU (2012).

 

Autor: Robert Griebler
Erstellt: 24.07.2020

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Robert Griebler ©Ettl
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