Gesundheitskompetente Offene Jugendarbeit im kommunalen Setting

Einrichtung: bOJA - Bundesweites Netzwerk Offene Jugendarbeit
zuständige Leiterin/zuständiger Leiter: Mag.a Daniela Kern-Stoiber, MSc
Website der Einrichtung: www.boja.at
Maßnahmenleiter/in: Mag.a Daniela Kern-Stoiber, MSc
E-Mail-Adresse: daniela.kern@boja.at
Website der Maßnahme: -
(geplante) Laufzeit: 1. November 2017 bis 30. April 2020
Status: laufende

Zielsetzung der Maßnahme:

Ziel ist es, dass sich Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit in Österreich systematisch mit ihrer organisationalen Gesundheitskompetenz auseinandersetzen und sich dem Konzept der „Gesundheitskompetenten Offenen Jugendarbeit“ (Anerkennungsverfahren zur Gesundheitskompetenten Offenen Jugendarbeit) verpflichten. Dies geschieht in enger Kooperation mit der jeweiligen Kommune, die als wichtiger Partner fungiert. Es findet ein Capacity Building zu Gesundheitskompetenz im Handlungsfeld der Offenen Jugendarbeit statt, das durch Aktivitäten der Vernetzung (Netzwerk Gesundheitskompetente Jugendarbeit) und des Transfers von Wissen und Know-how (Website, Newsletter) verstärkt wird. Offene Jugendarbeit kann damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz ihrer jugendlichen Nutzerinnen/Nutzer in der jeweiligen Kommune beitragen. Die beiden Hauptziele im Einzelnen:

  1. Unterstützung bei der Implementierung von Gesundheitskompetenz in den Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit unter Einbeziehung der jeweiligen Kommune

1.1. Bundesweite Verankerung der Standards zu Gesundheitskompetenz in der Offenen Jugendarbeit, wobei die kommunalen Settings, in denen Offene Jugendarbeit stattfindet, als wesentliche Strukturen begriffen und mitberücksichtigt werden

1.2 Systematische Verschränkung von Offener Jugendarbeit und Gemeinde/Stadt (-teil) zum Thema Gesundheitskompetenz

  1. Capacity Building zu Gesundheitskompetenz im Handlungsfeld der Offenen Jugendarbeit

2.1. Übermittlung von Wissen und Know-how im Bereich der Gesundheitskompetenz junger Menschen

2.2. Vernetzung und Austausch von Good Practice zum Thema Gesundheitskompetente Jugendarbeit

2.3. Förderung der bereichs- und berufsgruppenübergreifenden Vernetzung zu Gesundheitskompetenter Jugendarbeit

2.4. Förderung des interdisziplinären und intersektoralen Diskurses zu Gesundheitskompetenter Jugendarbeit

Ausgangslage:


Offene Jugendarbeit in Österreich (Jugendzentren, mobile Offene Jugendarbeit, Jugend-Streetwork) beschäftigte sich in den letzten Jahren vertiefend mit dem Thema Gesundheitskompetenz in ihren Einrichtungen. Vertreterinnen/Vertreter des Handlungsfelds entwickelten auf der Grundlage des Wiener Konzepts für organisationale Gesundheitskompetenz (Pelikan & Dietscher, 2015) Standards für Gesundheitskompetente Offene Jugendarbeit. Zeitgleich wurde auch ein bundesweites Netzwerk „Gesundheitskompetente Jugendarbeit“ gegründet. Das große Interesse an den Projektergebnissen vonseiten der Offenen Jugendarbeit aber auch der Systempartnerinnen/-partner aus angrenzenden Bereichen zeigt den Bedarf an einer strukturelleren Implementierung der Standards im Handlungsfeld auf. Zudem wurde in der Entwicklung der Standards sichtbar, dass das kommunale Setting, sei es im städtischen Bereich oder in ländlicheren Gemeinden, von großer Bedeutung ist, wenn es um die Förderung von Gesundheitskompetenz bei Jugendlichen im Setting der Offenen Jugendarbeit geht. Die Einbindung kommunaler Strukturen wird derzeit auch im internationalen gesundheitspolitischen Diskurs bekräftigt (vgl. Shanghai Declaration der WHO, 2016). bOJA hat 2016 im von der Jugendministerin Karmasin ausgerufenen „Jahr der Jugendarbeit“ in Kooperation mit dem Österreichischen Gemeindebund eine Umfrage an allen Gemeinden Österreich durchgeführt, die gezeigt hat, dass die Gemeinden an einer intensiveren Zusammenarbeit mit Offener Jugendarbeit interessiert sind (zu den Gemeindeumfrageergebnissen). Das Thema Gesundheit bietet hier einen guten Anknüpfungspunkt für viele Gemeinde-Entscheidungsträger.

Methodik:


Aufbauend auf den bisherigen Entwicklungen zu Gesundheitskompetenz im Setting Offener Jugendarbeit und dem Bedarf an einer systematischen Einbeziehung kommunaler Strukturen hinsichtlich organisationaler Gesundheitskompetenz ist eine österreichweite Implementierung der in den letzten drei Jahren entwickelten Standards zu gesundheitskompetenter Offener Jugendarbeit geplant. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Verortung in kommunalen Strukturen gelegt. Es wird ein dreistufiges Verfahren zur Auszeichnung zum „Gesundheitskompetenten Jugendzentrum“ bzw. zur „Gesundheitskompetenten Mobilen Offene Jugendarbeit“ entwickelt, das von Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit in Kooperation mit deren Kommunen durchgeführt werden kann. Die Entwicklung dieses Verfahrens erfolgt partizipativ mit Akteurinnen/Akteuren der Offenen Jugendarbeit, jugendlichen Nutzerinnen/Nutzern und Gemeindevertreterinnen/-vertretern unter wissenschaftlicher Beratung der Gesundheit Österreich GmbH. Flankierend zum Prozess der Implementierung von Gesundheitskompetenz im Handlungsfeld der Offenen Jugendarbeit finden Aktivitäten zu Gesundheitskompetenter Jugendarbeit (die auch verbandliche Jugendarbeit, Jugendinfos u.a. einbezieht) statt:

Das Netzwerk Gesundheitskompetente Jugendarbeit wird weiterentwickelt und fortgeführt und es wird eine Website erarbeitet, die bundesweit aktuelle Infos zu Gesundheitskompetenz in der Jugendarbeit bieten soll. Eine enge Anbindung an die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz ist geplant und sichert die Qualität der Aktivitäten des vorliegenden Projekts. Das Projekt „Gesundheitskompetente Offene Jugendarbeit im kommunalen Setting“ besteht demnach aus drei Maßnahmenpaketen:

  1. Auszeichnung von Gesundheitskompetenten Einrichtungen in der Offenen Jugendarbeit mit besonderer Berücksichtigung der kommunalen Settings
  2. Weiterentwicklung des Netzwerks Gesundheitskompetente Jugendarbeit
  3. Entwicklung und Betreuung einer Website zu Gesundheitskompetenter Jugendarbeit

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Fachkräfte der Offenen Jugendarbeit fördern mit ihren professionellen Zugängen gesunde Lebensentwürfe von Mädchen und Burschen. Neben der Sozialen Arbeit, der Kultur- und der Bildungsarbeit stellt die Gesundheitsförderung ein wesentliches Handlungsfeld der Offenen Jugendarbeit dar. Dennoch wird die gesundheitsförderliche Rolle der Offenen Jugendarbeit noch immer zu wenig wahrgenommen – vonseiten der Öffentlichkeit und vonseiten der Jugendarbeiterinnen/-arbeitern selbst. Fachkräfte der Offenen Jugendarbeit sind derzeit noch nicht sensibilisiert darin, die Interventionen, die sie tagtäglich setzen mit Förderung von Gesundheitskompetenz in Verbindung zu bringen. Offene Jugendarbeit leistet einen wesentlichen Beitrag zur gesundheitlichen Chancengerechtigkeit. Zeitgemäße Gesundheitsförderung hat neben den Themen psychische Gesundheit, Ernährung und Bewegung vor allem die Verbesserung der sozialen Lebenslagen von Jugendlichen im Fokus: Wohnen, Schule/Ausbildung, Familie, Lärmbelastung, Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe, Genderrollen, Sexualität, Zukunftsperspektiven. Offene Jugendarbeit stellt die Verhältnisse in den Fokus ihrer Arbeit und trägt damit dem komplexen Zusammenspiel von persönlichen und sozialen Faktoren im Leben Jugendlicher Rechnung. Mit der weiteren Implementierung von Standards für die organisationale Gesundheitskompetenz in der Offenen Jugendarbeit in Österreich leistet das Projekt einen Beitrag zur Förderung einer gesundheitskompetenten Sozialen Arbeit mit Jugendlichen, und dies auf umfassende und nachhaltige Weise, besonders auch durch die Einbeziehung des jeweiligen kommunalen Kontextes (Gemeinden, Stadtteile).

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Im Rahmen dieses Projekts geht es darum das Handlungsfeld darin zu bestärken und weiter zu schulen sich der Vermittlung von Gesundheitskompetenz zu widmen. Auf organisationaler Ebene in den Organisationen, durch Vernetzung und Austausch und auch durch Fortbildungsangebote, die sich gezielt dem Thema Gesundheitskompetenz unter besonderer Berücksichtigung sozial und gesellschaftlich marginalisierter junger Menschen sowie Jugendlicher in infrastrukturell benachteiligten Regionen in Österreich annehmen.

So erhalten jugendliche Nutzerinnen und Nutzer der Offenen Jugendarbeit wichtige Informationen und Beratung zur Förderung ihrer Gesundheitskompetenz, werden dabei begleitet sich Gesundheitsinformationen zu verschaffen und diese kritisch zu hinterfragen. Sie sind umgeben von Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern, die ihnen bei Fragen zu ihrer Gesundheit zur Verfügung stehen.

Wesentlich ist hierbei das informelle Setting in der Offenen Jugendarbeit, das scheinbar beiläufig Jugendlichen Neues beibringt und sie dabei bestärkt sich mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen. Jugendliche werden als Expertinnen und Experten ihrer Gesundheitsbelange betrachtet und es wird in vielen unterschiedlichen Lernprozessen genau auf die Bedarfe der Zielgruppe eingegangen. So können die Gestaltung des Barbetriebs im Jugendzentrum, des Skaterparks oder der abendlichen Party Aufhänger zur Vermittlung von Gesundheitskompetenz sein.

09.10.2018

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