Gesundheitskompetent in der digitalen Welt

Digitale Gesundheitskompetenz ist wesentlich für einen informierten Umgang mit digitalen Gesundheitsanwendungen wie z.B. mit Gesundheits-Apps, Fitness-Armbändern, Telemonitoring oder Online-Therapien. Inwieweit etwaige Potenziale von eHealth-Angeboten ausgeschöpft werden können, ist dabei sowohl von den Fähigkeiten der Nutzerinnen und Nutzer als auch von der Gestaltung der Angebote abhängig.

Digitale Gesundheitskompetenz – Was ist das?

Digitale Gesundheitskompetenz bzw. eHealth Literacy beschreibt primär die Fähigkeiten, welche Individuen für einen informierten Umgang mit elektronischen Anwendungen im Gesundheitswesen brauchen. Eng mit dem Konzept der allgemeinen Gesundheitskompetenz verknüpft, umfasst eHealth Literacy zusätzlich Kompetenzen in der Anwendung digitaler Technologien [1]. Aktuellere Entwicklungen berücksichtigen zudem Eigenschaften des eHealth-Systems (z.B. Benutzerfreundlichkeit, Transparenz zum Datenschutz) [2].

Mangelnde Gesundheitskompetenz und digitale Kluft

Die Nutzung von digitalen Gesundheitsanwendungen hängt unter anderem mit der Gesundheitskompetenz zusammen. Personen mit geringer Gesundheitskompetenz nutzen eHealth-Angebote seltener und erleben die Nutzung als schwieriger und weniger nützlich. Zudem sind sie in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre oft weniger kritisch. Es besteht somit die Gefahr einer digitalen Kluft – Personen mit limitierter Gesundheitskompetenz können möglicherweise etwaige Potenziale von eHealth-Angeboten weniger gut nutzen [3].

eHealth als Weg individuelle Gesundheitskompetenz zu stärken?

Die Erwartungen an digitale Gesundheitsanwendungen sind hoch. Man verspricht sich einen einfacheren Zugang zu Gesundheitsinformationen und einen selbstbestimmteren Umgang der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Gesundheit. Können digitale Gesundheitsanwendungen zu einer Stärkung der Gesundheitskompetenz ihrer Nutzerinnen und Nutzer beitragen? Eine systematische Übersichtsarbeit [4] verweist auf positive Ergebnisse einzelner Studien. Im Detail zeigt sich jedoch, dass vorwiegend Auswirkungen von eHealth-Angeboten auf einzelne Komponenten krankheitsspezifischer Gesundheitskompetenz (z.B. Wissen zum Thema Depression, Verständnis von Konzepten zu Darmkrebs) untersucht wurden. Inwieweit eHealth-Angebote die allgemeine Gesundheitskompetenz fördern können, welche über Wissen zu und Verständnis von einzelnen Konzepten hinausgeht, bleibt somit vorerst unklar.

Gesundheitskompetente Gestaltung von digitalen Gesundheitsanwendungen

Strategien einer gesundheitskompetenten Gestaltung von Gesundheitsanwendungen sind unter anderem die Einbeziehung von Nutzerinnen und Nutzern mit unterschiedlichem Kompetenzniveau in die Entwicklung, der Einsatz einfacher Sprache und interaktiver, anwendungsorientierter Elemente, eine möglichst barrierefreie Design- und Navigationsgestaltung sowie Transparenz zu Themen wie Datenschutz und Evidenzbasierung [5, 6]. Studien legen jedoch nahe, dass viele dieser Strategien oft nur mangelhaft umgesetzt werden und digitale Gesundheitsanwendungen somit nur wenig an die Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz angepasst sind [7, 8].

Wo ansetzen?

Um etwaige Potenziale von eHealth-Angeboten bestmöglich ausschöpfen zu können, braucht es eine Stärkung der Bürgerinnen und Bürger im informierten Umgang mit entsprechenden Anwendungen, zum Beispiel zu Fragen wie „Woran erkenne ich eine vertrauenswürdige Gesundheits-App?“. Darüber hinaus benötigt es benutzerfreundliche eHealth-Angebote, die vermehrt die Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz berücksichtigen. Dies betrifft technische Aspekte der Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit ebenso wie Fragen der Transparenz und Verständlichkeit.

 

Autorin:Heike Kraus-Füreder, Institut für Gesundheitsförderung und Prävention

 

zum Bericht Gesundheits-Apps. Grundlagenpapier unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts Gesundheitskompetenz

 

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[1] Norman, C.D. & Skinner, H.A. (2006). eHealth Literacy: Essential Skills for Consumer Health in a Networked World. Journal of Medical Internet Research, 8 (2), e9.

[2] Norgaard, O., Furstrand, D., Klokker, L., Karnoe, A., Batterham, R., Kayser, L. & Osborne, R.H. (2015). The e-health literacy framework: A conceptual framework for characterizing e-health users and their interaction with e-health systems. Knowledge Management & E-Learning, 7 (4), 522-540.

[3] Mackert, M., Mabry-Flynn, A., Champlin, S., Donovan, EE. & Pounders, K. (2016). Health Literacy and Health Information Technology Adoption: The Potential for a New Digital Divide. Journal of Medical Internet Research, 18 (10), e264.

[4] Jacobs, R.J., Lou, J.Q., Ownby, R.L. & Caballero, J. (2016). A systematic review of eHealth interventions to improve health literacy. Health Informatics Journal, 22 (2), 81-98.

[5] Broderick, J., Devine, T., Langhans, E., Lemerise, A.J., Lier, S. & Harris, L. (2014). Designing Health Literate Mobile Apps. Abrufbar unter: http://health.gov/communication/literacy/BPH-HealthLiterateApps.pdf (20.03.2018)

[6] Bickmore, T.W. & Paasche-Orlow, M.K. (2012). The role of information technology in Health Literacy Research. Journal of Health Communication, 17, 23-29.

[7] Caburnay, CA., Graff, K., Harris, JK., McQueen, A., Smith, M., Fairchild, M., Kreuter, MW. (2015). Evaluating diabetes mobile applications for health literate designs and functionality. Preventing Chronic Disease, 12, e61.

[8] Sarkar, U., Gourley, GI., Lyles, CR., Tieu, L., Clarity, C., Newmark, L., Singh, K., Bates, DW. (2016). Usability of Commercially Available Mobile Applications for Diverse Patients. Journal of general internal medicine, 31 (12), 1417-1426.