Gemeinsam gut entscheiden – Choosing Wisely Austria

Titel: Gemeinsam gut entscheiden – Choosing Wisely Austria
Einrichtung: Department für Epidemiologie und Evaluation, Donau-Universität Krems; Institut für Allgemeinmedizin und Evidenzbasierte Versorgungsforschung, Medizinische Universität Graz
Zuständige Leiterin/zuständiger Leiter der Einrichtung: Univ.-Prof. Dr.med.univ. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Univ.-Prof. Dr.med.univ. Gerald Gartlehner, MPH
Website der Einrichtung: www.gemeinsam-gut-entscheiden.at
Maßnahmenkoordinatorin: Dr. Anna Glechner
geplante Laufzeit: ab 2017
Status: laufend

Ausgangslage:


Schon die alten Griechen haben erkannt: Einem Arzt, der nichts verschreibt zürnen die Kranken und glauben sie seien von ihm aufgegeben. (Epiktet, um 50 – 138 n.Ch.) Es ist ein menschlicher Irrtum, zu glauben: Je mehr Test und Behandlungen wir bekommen, desto gesünder würden wir.

Diese Überzeugung sitzt tief. Gewohntes zu hinterfragen ist nicht einfach und benötigt einiges an Aufklärungsarbeit. Fehlende Information für Patientinnen und Patienten, eingebürgerte Routine und Zeitmangel im Klinikalltag – es gibt einige Hürden, die nachhaltigen Veränderungen im Weg stehen. Die wären allerdings dringend notwendig, wie Studien zeigen. In Österreichs Gesundheitseinrichtungen werden täglich Untersuchungen und Behandlungen angeordnet, die bestenfalls unnötig, im schlimmsten Fall zum Nachteil der Patientinnen und Patienten sind. Denn auch zu viel Medizin kann krank machen. In einer Zeit, in der medizinisch fast alles möglich ist, stehen wir nun vor der Frage: Ist alles, was machbar ist auch sinnvoll? Wann ist mehr Medizin nicht gleich bessere Medizin?

Die Initiative „Gemeinsam gut entscheiden – Choosing Wisely Austria“ informiert die Bevölkerung über Behandlungen und Tests, die zu häufig eingesetzt werden und schaden können. Ein Team von Ärztinnen und Ärzten der Medizinischen Universität Graz und der Donau Universität Krems hat sie 2017 ins Leben gerufen. Vorbild ist die weltweit erfolgreiche Initiative Choosing Wisely in den USA. Länder rund um den Globus haben inzwischen ähnliche Projekte, die sich dem wachsenden Problem medizinischer Überversorgung entgegenstellen. So auch Gemeinsam gut entscheiden.

 

Zielsetzung der Maßnahme:


Die Initiative soll in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür erhöhen, dass in der Medizin mehr nicht immer besser ist.

 

Methodik:


In enger Zusammenarbeit mit den Österreichischen Fachgesellschaften und nach aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen identifiziert Gemeinsam gut entscheiden jene medizinischen Maßnahmen, die häufig eingesetzt werden, nichts nützen und den Patient/-innen im schlimmsten Fall sogar schaden. Im demokratischen Verfahren wählen die Expertinnen und Experten der Fachgesellschaften die fünf wichtigsten Empfehlungen ihres Fachgebiets aus. Das wissenschaftliche Team von Gemeinsam gut entscheiden prüft die Empfehlungen auf ihre Verlässlichkeit. So bilden qualitativ hochwertige, aktuelle Studien und Leitlinien das Fundament der Empfehlungen. Damit die Ergebnisse dort ankommen, wo sie hingehören – zu den Ärztinnen und Ärzten und Patientinnen und Patienten – stehen am Ende des Prozesses kompakte Top 5 Listen mit den wichtigsten Empfehlungen. Diese Top 5 Listen bereitet das Team von Gemeinsam gut entscheiden gemäß der Guten Gesundheitsinformation Österreich als laienverständliches Informationsmaterial auf.

Die Broschüren und Poster sind speziell für Patientinnen und Patienten konzipiert und so gestaltet, dass sie Fakten und Zahlen nachvollziehbar und verständlich vermitteln. Sie sollen Ärztinnen und Ärzte bei der zeitintensiven Aufklärungsarbeit unterstützen und die Patientinnen und Patienten einladen, Leistungen, die ihnen angeboten werden, kritisch zu hinterfragen. Das Ziel von Gemeinsam gut entscheiden, sind mündige und informierte Patientinnen und Patienten und eine sichere und gezielte Medizin in Österreich.

Unter www.gemeinsam-gut-entscheiden.at sind alle Broschüren und Poster kostenfrei zugänglich und bestellbar. Die Top 5 Empfehlungen der Allgemeinmedizin und der Geriatrie sind bereits veröffentlicht. Top-Themen sind z.B. der ungerechtfertigte Einsatz von Antibiotika, nicht zielgerichtete Röntgen- und MRT-Untersuchungen und die möglichen Schattenseiten von Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Derzeit arbeitet das Team von Gemeinsam gut entscheiden an den Top 5 Public Health. Themen werden vor allem Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sein.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Gemeinsam gut entscheiden will mit guter Gesundheitsinformation zu medizinischen Maßnahmen, die keine Vorteile aber potentiellen Schaden für Patientinnen und Patienten mit sich bringen die Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Mitarbeiter/innen stärken. Die anschaulichen und laienverständlichen Informationen sollen Ärztinnen und Ärzte bei der zeitintensiven Aufklärungsarbeit unterstützen und die Kommunikation in der Praxis verbessern.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Empowerment, Selbstbestimmung und Aufbau kritischer Gesundheitskompetenz durch evidenzbasierte, aber dennoch laienverständliche Information zu Überdiagnostik und Überbehandlung.

 

Zielgruppen:


  • Zielgruppen im Setting Gesundheits- und Sozialwesen/(öffentliche) Dienstleistungen: Patientinnen/Patienten und deren Angehörige, Ärztinnen/Ärzte, Pflege- und Betreuungspersonal, andere nichtärztliche Berufsgruppen (Hebammen, Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten etc.).
16.01.2020

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