Das Finanzministerium als Gesundheitskompetenz-Pionier

Die Bedeutung von Gesundheitskompetenz in Organisationen beginnt, ausgehend von der Anwendung im Gesundheitswesen, zunehmend auch in anderen Bereichen Fuß zu fassen.

Gesundheitskompetenz-Strategien werden daher für unterschiedliche Settings und Sektoren weiterentwickelt – für Schulen, Jugendzentren, Gesunden Gemeinden bis hin zu Betrieben und Arbeitsplätzen. Dadurch erschließen sich weite Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz und der Gesundheit der gesamten Bevölkerung: zuhause, am Arbeitsplatz, im Bildungssystem, in der Nachbarschaft, in der Stadt etc.

„Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben.“
(Ottawa-Charta: WHO 1986)

Vor diesem Hintergrund finanzierte der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) 2019 ein Pilotprojekt zur Förderung der Gesundheitskompetenz in der öffentlichen Verwaltung mit dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) als Kooperationspartner. Das BMF bietet als Pionier im Bereich betrieblicher Gesundheitsförderung und betrieblichen Gesundheitsmanagements dafür besonders gute Voraussetzungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Das Projekt wurde vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) in der Gesundheit Österreich GmbH durchgeführt.

 

Selbstbewertungsinstrument Gesundheitskompetenz im BMF


In einem ersten Schritt wurden der spezifische Kontext und die Anforderungen seitens des BMF analysiert. Ein wichtiger Ansatzpunkt dafür war, an bestehende Strukturen und Strategien der betrieblichen Gesundheitsförderung anzudocken bzw. diese zu erweitern.

Auf dieser Basis entwickelte das Projektteam in Kooperation mit dem BMF ein maßgeschneidertes Selbstbewertungsinstrument für die Analyse des IST-Stands organisationaler Gesundheitskompetenz im BMF. Einige für Gesundheitseinrichtungen wichtige Aspekte spielen für das BMF keine Rolle und wurden daher nicht berücksichtigt. Andere, spezifisch relevante Aspekte wurden gezielt in die Standards integriert.

Insgesamt wurden die folgenden vier Standards für Gesundheitskompetenz im BMF identifiziert:

  • Standard 1: Managementgrundsätze und Unternehmens-strukturen für Gesundheitskompetenz etablieren.
  • Standard 2: Gesundheitsinformationen und -Angebote partizipativ entwickeln
  • Standard 3: Die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter/-innen verbessern
  • Standard 4: Eine unterstützende Umwelt schaffen – Orientierung sicherstellen

Diese vier Standards untergliedern sich jeweils in Sub-Standards, welche wiederum durch konkret beobachtbare Indikatoren beschrieben werden.

 

Pilotierung im BMF


Für die Pilotierung des Selbstbewertungsinstruments wurde seitens des BMF ein Selbstbewertungs-Team von 13 leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den verschiedenen relevanten Unternehmensbereichen gebildet (u.a. Personalentwicklung und Gesundheitskoordination, Abteilungs-, Regional- und Teamleitung, Arbeitsmedizin, Gesundheitsmoderatoren/-innen, Personalvertretung).

Dieses Selbstbewertungs-Team wurde vorab in einem Intro-Workshop zu Gesundheitskompetenz im Allgemeinen und zur Relevanz für Organisationen informiert. Anschließend bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils einzeln die organisationale Gesundheitskompetenz im BMF anhand eines per Email übermittelten PDF Formulars. Diese Einzelbewertungen wurden gesammelt und in einem Überblickstool zusammengefasst.

Die Ergebnisse der Einzeleinschätzungen bildeten die Ausgangsbasis für einen „Konsensus-Workshop“, bei dem die Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die jeweiligen Sichtweisen und Begründungen im Team diskutiert wurden, um eine gemeinsame Sichtweise und Einschätzung zu entwickeln und zu dokumentieren. Es zeigte sich einerseits, dass einige Standards bereits gut erfüllt sind. Anderseits wurden Standards mit Entwicklungspotenzial hinsichtlich Gesundheitskompetenz identifiziert.

Parallel dazu wurde das Selbstbewertungsinstrument anhand von Feedback und Verbesserungsvorschlägen inhaltlich und formal für die weitere Verwendung optimiert.

 

Ausblick


Aus der Analyse und der Diskussion der Selbstbewertung wurden erste Ansatzpunkte zur Verbesserung der organisationalen Gesundheitskompetenz im BMF deutlich. Die detaillierte Entwicklung und Priorisierung von Maßnahmen sowie ersten Umsetzungen werden im Anschluss an dieses Projekt durch das BMF intern erfolgen.

Dieses Projekt zeigt, dass bewährte Konzepte und Methoden zur Förderung organisationaler Gesundheitskompetenz aus Gesundheitseinrichtungen – insbesondere die Methode der Selbstbewertung und Priorisierung von Handlungsempfehlungen – auch im öffentlichen Dienst erfolgversprechend eingesetzt werden können.

Besonderer Dank für die Unterstützung des Projekts im BMF gilt:

  • a Ulrike Langthaler-Kerck, Projektleitung BMF, Personalentwicklung und Gesundheitskoordination BMF
  • Karl Wappel, Leiter Personalentwicklung BMF

 

Weitere Informationen


 

Autoren: Christoph Schmotzer, Peter Nowak
Erstellt am: 02.04.2020
02.04.2020

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