EvI-Pilotprojekt

Langtitel: EvI-Pilotprojekt: Evidenzbasierte Informationen zur Unterstützung von gesundheitskompetenten Entscheidungen
Einrichtung: Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Medizinische Universität Graz
zuständige Leiterin: Univ. Prof. Dr. Med. univ. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch
Website der Einrichtung: allgemeinmedizin.medunigraz.at/
Maßnahmenkoordinatorin: Univ. Prof. Dr. Med. univ. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch
(geplante) Laufzeit: 5. Jänner 2018 bis 31. Dezember 2020
Status: laufend

Zielsetzung der Maßnahme:


STRATEGISCHES ZIEL:

Das Projekt EvI hat zum Ziel, der steirischen Bevölkerung gesundheitskompetente Entscheidungen zu ermöglichen, indem evidenzbasierte Informationen in Hausarztpraxen und Gesundheitszentren bereitgestellt werden und Hausärztinnen/Hausärzte sowie nicht-ärztliche Gesundheitsberufe auf Gesundheitskompetenz sensibilisiert werden.

 

OPERATIVE ZIELE:

Erstellung einer EvI-Box und EvI-Homepage:

  1. Die Recherche von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen ist bis 06.2018 erfolgt.
  2. Die Bewertung der Gesundheitsinformationen ist bis 10.2018 erfolgt.
  3. Die Zusammenstellung von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen in ausgedruckter Form in der EvI-Box ist bis 01.2019 erfolgt.
  4. Eine Homepage, auf der die evidenzbasierten Gesundheitsinformationen aus der EvI-Box abrufbar sind, ist bis 02.2019 eingerichtet.

 

Sensibilisierung und Schulung von Hausärztinnen und Hausärzten und Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe:

  1. Das Konzept der Schulungsinhalte ist bis 02.2019 erstellt.
  2. 10% der Hausärztinnen/Hausärzte und Angehörige von Gesundheitsberufen sind für die Teilnahme am Projekt EvI bis 04.2020 rekrutiert.
  3. 10% der Hausärztinnen/Hausärzte und Angehörige von Gesundheitsberufen sind zum Thema Gesundheitskompetenz, zum Umgang mit der EvI-Box und im Speziellen zum Thema Antibiotika bis 04.2020 geschult.
  4. Ein Online-Tool zur Befragung von Hausärztinnen/Hausärzten und Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe zur Bewertung der strukturierten Schulungen, zur erzielten Sensibilisierung sowie zur Erhebung der Erfahrungen in der Nutzung der EvI-Box in der Praxis ist bis 03.2019 erstellt.
  5. Die Durchführung der Online-Befragung von geschulten Hausärztinnen/Hausärzten und Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe ist bis 06.2020 erfolgt.
  6. Auf Basis der Ergebnisse der Online-Befragung sind Handlungsempfehlungen für die künftige Weiterentwicklung des strukturierten Schulungskonzepts und der EvI-Box bis 09.2020 formuliert.

 

Patientenbeteiligung durch Nutzertestungen als Basis für künftige Weiterentwicklung der EvI-Box:

  1. Eine Nutzerinnen-/Nutzertestung ausgewählter Materialien der EvI-Box mit Fokus auf Attraktivität, Akzeptanz, Verständlichkeit und Vertrauenswürdigkeit der Materialien ist durch Fokusgruppen mit Personen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und teils mit Migrationshintergrund bis 12.2019 erfolgt.
  2. Auf Basis der Ergebnisse der Fokusgruppen sind Handlungsempfehlungen für die künftige Weiterentwicklung der EvI-Box bis 06.2020 formuliert.

 

Öffentlichkeitsarbeit und Dissemination:

  1. Presseaussendungen und mindestens eine Pressekonferenz finden unter Beteiligung des Gesundheitsfonds Steiermark bis 12.2020 statt.
  2. Öffentlichkeitsarbeit wird bis 12.2020 geleistet (z.B. Kurzfilm für Wartezimmer, Plakate für Hausarztpraxen und Gesundheitszentren).
  3. Alle steirischen Hausarztpraxen werden bis 04.2020 über die Projektergebnisse sowie über die EvI-Box und EvI-Homepage informiert.
  4. Im Mini Med-Studium, einer Veranstaltungsreihe der Medizinischen Universität Graz für die Bevölkerung, werden bis zum Projektende je ein Vortrag zu Gesundheitskompetenz allgemein und ein Vortrag zum Umgang mit Antibiotika angeboten.

 

Ausgangslage:


Gute Gesundheitsinformationen in Hausarztpraxen und Gesundheitszentren sind für Patientinnen und Patienten von besonderer Bedeutung, weil sie die Basis für eine informierte Entscheidungsfindung in Fragen der Gesundheit und medizinischen Behandlungen sind. Hausärztinnen und Hausärzte sind nicht nur die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten; sie stellen auch eine der wichtigsten Informationsquellen für Gesundheitsfragen wie zum Beispiel Antibiotika dar (Hoffmann K. 2013, Gesundheitsbarometer 2015).

Die österreichische Bevölkerung weist laut dem European Health Literacy Survey (HLS-EU) (Sorensen 2015) im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine niedrige Gesundheitskompetenz auf. Aus dem MEDIB- Projekt (Medizinische Informationsbroschüren in der Hausarztpraxis) ist bekannt, dass die in steirischen Hausarztpraxen aufliegenden Gesundheitsinformationen nicht hochwertig sind. 303 der insgesamt 387 mit dem EQIP (Ensuring Quality Information for Patients)-Instrument bewerteten Informationsmaterialien erreichten nur maximal 50% im EQIP-Score (Horvath 2017). Dies ist besonders alarmierend, weil in der Steiermark knapp zwei Drittel der Bevölkerung über eine inadäquate oder problematische Gesundheitskompetenz verfügen (Pelikan 2013).

Häufig kommt es zu Fehleinschätzungen zu Wirkungen von Therapien. Laut Eurobarometer (2016) schätzen mehr als die Hälfte der Befragten die Wirkung von Antibiotika falsch ein: 63% sind der Meinung, dass Antibiotika Bakterien und Viren zerstören, 43% meinen, Antibiotika wären ein effektives Mittel gegen Grippe und Erkältungen. Die Mehrheit der Eltern überschätzt die Wirkung von Antibiotika auf die Dauer der Symptome um ein 5 bis 10-Faches (Hoffmann 2017). Um zuverlässige Informationen über Antibiotika zu erhalten, würden 83% der Österreicherinnen und Österreicher laut Eurobarometer (2016) einen Arzt konsultieren.

In den letzten Jahren haben evidenzbasierte Informationen an Bedeutung in Österreich gewonnen: so gibt es mittlerweile die „gute Gesundheitsinformation Österreich“ als Leitfaden für die Erstellung von evidenzbasierten und geschlechtergerechten Gesundheitsinformationen (Frauengesundheitszentrum 2017) und Faktenboxen auf der Homepage des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger sowie die App MedBusters (www.hauptverband.at; Zugriff: 21.09.2017). Diese wichtigen ersten Schritte zur Unterstützung für gesundheitskompetente Entscheidungen sollten noch weiter fortgeführt werden, indem evidenzbasierte Gesundheitsinformationen an den Orten verfügbar gemacht werden, wo medizinische Entscheidungen täglich getroffen werden.

Ziel dieses Projektes ist es, den Patientinnen und Patienten in der Steiermark evidenzbasierte Gesundheitsinformationen über Hausarztpraxen und Gesundheitszentren zur Verfügung zu stellen, um ihnen eine informierte Gesundheitsentscheidung zu ermöglichen. Dabei soll auf bereits zur Verfügung stehende, hochwertige Gesundheitsinformationen zurückgegriffen werden. Diese werden hinsichtlich der Qualität bewertet und dem Team der hausärztlichen Praxis in Form der EvI-Box und EvI-Homepage (Evidenzbasierte Informationen zur Unterstützung von gesundheitskompetenten Entscheidungen) zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird eine strukturierte Schulung für das Team der hausärztlichen Praxis zu Gesundheitskompetenz und dem adäquaten Umgang mit Antibiotika durchgeführt.

 

Methodik:


 

Zusammenstellen der EvI-Box:

Die Recherche im deutschsprachigen und ggf. im englischsprachigen Raum erfolgt auf Leitlinienportalen, über eine fokussierte Internetrecherche, auf relevanten Homepages und wird ggf. durch Expertenanfragen ergänzt. Als relevant werden nur Gesundheitsinformationen erachtet, die einen möglichst hohen Evidenzgrad haben. Bei Bedarf erfolgt eine Übersetzung. Anschließend erfolgt die Bewertung mittels internationaler Bewertungsinstrumente (EQIP, IPDASi) unabhängig durch zwei Reviewerinnen. Danach erfolgt die Zusammenstellung der EvI-Box mit den ausgewählten Gesundheitsinformationen, in mehrfach ausgedruckter Form und anschaulicher Präsentation.

 

Einrichten einer Homepage:

Es erfolgt die Entwicklung einer Homepage, auf der die evidenzbasierten Gesundheitsinformationen aus der EvI-Box abrufbar sind. Diese kann nach Abstimmung mit dem Auftraggeber entweder auf dem Server der Med Uni Graz oder des Gesundheitsfonds eingerichtet werden.

 

Schulung und Sensibilisierung von Hausärztinnen und Hausärzten und Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe:

In der strukturierten Schulung werden Hausärztinnen/Hausärzte und Angehörige von nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen einerseits für das Thema Gesundheitskompetenz, andererseits zum Umgang mit Antibiotika, sensibilisiert und geschult. Weiters werden die EvI-Box und die EvI-Homepage mit Ihrem Inhalt vorgestellt. Alle Teilnehmerinnen/Teilnehmer erhalten eine EvI-Box.

Im Zuge einer Online-Befragung werden die Hausärztinnen/Hausärzte und Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe um eine Bewertung der Schulung sowie der erzielten Sensibilisierung gebeten. Weiters erfolgen im Zuge der Online-Befragung eine Beurteilung der EvI-Box aus Sicht der Schulungsteilnehmer/innen und die Erhebung von Erfahrungen mit der Nutzung im beruflichen Alltag.

 

Patientinnen-/Patientenbeteiligung durch Nutzertestungen:

Patientinnen und Patienten werden aktiv in die Beurteilung der Gesundheitsinformationen der EvI-Box einbezogen. Ausgewählte Materialien werden in Fokusgruppen auf Attraktivität, Akzeptanz, Verständlichkeit und wahrgenommene Verlässlichkeit für unterschiedliche Patientinnen-/Patientengruppen überprüft. Bei der Auswahl der Teilnehmerinnen/Teilnehmer für die Fokusgruppen wird auf Diversität, beispielsweise hinsichtlich Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund geachtet. Auf Basis der Erkenntnisse aus den Nutzertestungen werden Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der EvI-Box abgeleitet.

 

Öffentlichkeitsarbeit und Dissemination:

Im Rahmen des Projekts erfolgenden Presseaussendungen und mindestens eine Pressekonferenz unter Einbindung des Gesundheitsfonds Steiermark. Alle steirischen Hausärztinnen und Hausärzte werden über über die EvI-Box und EvI-Homepage informiert.
Um die Patientinnen/Patienten zu informieren, werden allen steirischen Hausarztpraxen und Gesundheitszentren Plakate postalisch zugesandt. Zusätzlich wird ein Kurzfilm für die Wartezimmer von Hausarztpraxen und Gesundheitszentren entwickelt. Inhalte der Schulung werden teilweise in den Lehrplan des Medizinstudiums an der medizinischen Universität Graz übernommen. Im Mini Med-Studium, einer Veranstaltungsreihe der Medizinischen Universität Graz für die Bevölkerung, werden je ein Vortrag zu Gesundheitskompetenz und ein Vortrag zum Umgang mit Antibiotika angeboten.

 

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Das Projekt EvI hat zum Ziel, der steirischen Bevölkerung gesundheitskompetente Entscheidungen zu ermöglichen, indem evidenzbasierte Informationen in Hausarztpraxen und Gesundheitszentren bereitgestellt werden und Hausärztinnen/Hausärzte sowie nicht-ärztliche Gesundheitsberufe für Gesundheitskompetenz sensibilisiert werden.

Das Projekt EvI nimmt damit direkt auf das „Wirkungsziel 1: Das Gesundheitssystem unter Einbeziehung der Beteiligten und Betroffenen gesundheitskompetenter machen“ Bezug.

Alle operativen Ziele und darauf abgestimmten Maßnahmen sind auf das strategische Ziel, nämlich das Ermöglichen von gesundheitskompetenten Entscheidungen für die Bevölkerung, abgestimmt. Dazu gehören:

  • Zusammenstellen der EvI-Box, indem gute Gesundheitsinformationen recherchiert und geprüft werden
  • Einrichten der EvI-Homepage, indem gute Gesundheitsinformationen online für Hausärztinnen und Hausärzte sowie Angehörige nichtärztlicher
  • Gesundheitsberufe, aber auch der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden
  • Strukturierte Schulung und Sensibilisierung von Hausärztinnen und Hausärzten sowie Angehöriger nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe
  • zum Thema Gesundheitskompetenz und Umgang mit Antibiotika
  • Nutzerinnen- und Nutzertestung ausgewählter Gesundheitsinformationen aus der EvI-Box mit hinsichtlich Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund diversen Patientinnen/Patienten
  • Erstellen von Handlungsempfehlungen für die Zukunft
  • Verbreitung der Projektergebnisse in der Bevölkerung, unter Hausärztinnen und Hausärzten sowie Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe und Expertinnen und Experten
09.10.2018

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