Gute schriftliche Gesundheitsinformation

Warum brauchen wir gute Gesundheitsinformationen für Österreich?

Ob Artikel oder Webseite, App oder Broschüre: Gesundheitsinformationen sind allgegenwärtig und zählen zu den meist genutzten Informationsangeboten. Mit der Zahl der Angebote steigt aber nicht automatisch auch die Gesundheitskompetenz der Österreicherinnen und Österreicher. Dazu braucht es qualitätsvolle verständliche Gesundheitsinformationen. Diese sollten unabhängig, unverzerrt, geschlechtergerecht, verlässlich, verständlich und auf Evidenz basierend sein. So sind zum Beispiel 60 Prozent der Artikel über Gesundheit und Krankheit stark übertrieben oder nicht zutreffend. Nur 11 Prozent berichten korrekt.[1]

Evidenzbasierte, geschlechtergerechte Gesundheitsinformationen …

… erleichtern das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen und Erkrankungen.

… sind damit ein wichtiger Eckpunkt der gesundheitlichen Chancengleichheit.

… verbessern als Grundlage informierter Entscheidungen die eigene Gesundheit.

… ersparen dem Gesundheitssystem unnötige Kosten.[2]

… entsprechen dem Stand der Forschung und sind zuverlässig.

… können Leben retten.

Der Kriterienkatalog ist entwickelt

Seit März 2017 gibt es die Gute Gesundheitsinformation Österreich. Sie wurde von einem Redaktionsteam unter der Leitung des Grazer Frauengesundheitszentrums erstellt und ist eine Maßnahme der ÖPGK. Grundlage ist die Gute Praxis Gesundheitsinformation des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin. 30 Expertinnen/Experten aus dem Gesundheitsbereich, Wissenschaft und Journalismus haben Rückmeldungen zum Inhalt gegeben. Diese sind in die vorliegende Fassung eingeflossen. Damit sind Kriterien definiert, um falsche und mangelnde Information in Gesundheitsfragen zu vermeiden.

Im Jahr 2017 die Rahmenbedingungen schaffen

Alle, die Gesundheitsinformationen finanzieren und herausgeben, können sich auf diesen Kriterienkatalog berufen und seine Berücksichtigung in Aufträgen festschreiben. Allen, die Gesundheitsinformationen verfassen, dient er als praktisches Instrument zur Sicherung der Qualität und Wirksamkeit. Dies ist speziell für Gesundheitsinformationen wichtig, die von öffentlichen Einrichtungen herausgegeben, bzw. mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Nun geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es der ÖPGK ermöglichen, in die Praxis zu gehen. Dafür braucht es erste wichtige Schritte:

  • Commitment von Bund, Ländern und Gemeinden, wie eine Verankerung im Bundeszielsteuerungsvertrag, Landeszielsteuerungsverträgen und bei den Landesgesundheitsförderungsfonds
  • Vernetzung mit den relevanten HiAP-Partnern
  • Netzwerkaufbau mit potentiellen Umsetzern
  • Pilotprojekt(e), wie Aufklärungsvideos und eine Internetplattform nach den Kriterien der guten schriftlichen Gesundheitsinformation z.B. www.gesundheit.gv.at
  • Veröffentlichung des Kriterienkatalogs Gute Gesundheitsinformation Österreich
  • Entwicklung und Vorbereitung eines Train the Trainer-Programms

 


[1] Kerschner, Bernd; Wipplinger, Jörg et al. (2015): Wie evidenzbasiert berichten Print- und Online-Medien in Österreich? Eine quantitative Analyse Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, 109, 4-5, 341-349. www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1865921715001087

[2] Eichler K et al, The costs of limited Health Literacy: A systematic review, International Journal of Public Health, Vol.3, San Diego, Academic Press 2008, 204 -211.