Balint-Gruppenarbeit

Langtitel: Verbesserung der Kommunikations- und Gesprächskompetenz und Beziehungsgestaltung durch Balint-Gruppenarbeit
Einrichtung: Österreichische Balintgesellschaft (ÖBG)
zuständiger Leiter: MR Dr. med. univ. Hans-Peter Edlhaimb, MSc
Maßnahmenkoordinator: MR Dr. med. univ. Hans-Peter Edlhaimb, MSc
E-Mail-Adresse: hans-peter@edlhaimb.at
(geplante) Laufzeit: ab 2003
Status: laufend

Zielsetzung der Maßnahme:


Die Österreichische Balintgesellschaft (ÖBG) vertritt eine patientenzentrierte Haltung in der Medizin. Eines der Leitthemen der ÖBG ist die Verbesserung der Kommunikations- und Gesprächskompetenz und Beziehungsgestaltung.

  • Die Balint-Gruppenarbeit wurde in die Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)-Diplom-Weiterbildung Psychosoziale, Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin (Diplome Psy1+2+3) mit insgesamt 200 Stunden integriert.
  • Gleich zu Beginn dieser Diplom-Weiterbildung steht das Kommunikationstraining, wobei die bekannten Konzepte von Prof. Dr. med. Wolf Langewitz (Basel) zur Anwendung kommen.
  • 2004 wurde die Balint-Gruppenarbeit als qualitätssichernde Maßnahme von der „Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung & Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH“ (ÖQMed) in das Diplom-Fortbildungs-Programm (DFP) der ÖÄK aufgenommen.
  • In der Ausbildung zum Facharzt/zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin wurden 40 Stunden Balint-Gruppenarbeit obligatorisch aufgenommen. (Ärztinnen-/Ärzte-Ausbildungsordnung 2015 ( II Nr. 147/2015) Rasterzeugnisse)

 

Ausgangslage:


Studien heben einerseits vor allem den Mangel an der fehlenden kommunikativen Kompetenz der Pflegenden und der Ärzte hervor (PPmP Psychother Psych med 2002; 52(8): 348-354), andererseits wird die eingeschränkte Gesundheitskompetenz der Bevölkerung als erhebliches Problem in Österreich, auch im europäischen Vergleich, festgestellt. Empfehlungen verweisen auf direkte Interventionen zur Verbesserung von individuellen und gruppenbezogenen Kompetenzen durch Ausbildungs- und Trainingsmaßnahmen, um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken (European Health Literacy Survey Studie 2012).

 

Methodik:


Ein klinisch erfahrener, psychotherapeutisch ausgebildeter und von der ÖBG anerkannter Balint-Gruppenleiter, oder eine klinisch erfahrene, psychotherapeutisch ausgebildete und von der ÖBG anerkannte Balint-Gruppenleiterin führt eine ausbildungs- oder berufsbegleitende Balint-Gruppe. In regelmäßigen Abständen trifft sich eine Balint-Gruppe von circa acht bis zwölf Ärzten und Ärztinnen, ebenso von therapeutisch oder im Gesundheitswesen Tätigen.

Methodische Elemente der Balint-Gruppe:

Die Lehre: Im Sinne Michael Balints sind die patientenorientierte Medizin, die Krankheits- und Gesundheitsdiagnostik, die Beziehungsdiagnostik und die Beziehungstherapie als Lernziele definiert. Das Training einer patientenzentrierten Kommunikation und Gesprächsführung wird in den Fokus der Gruppenarbeit gerückt. Die Balint-Gruppe spiegelt als sozialer Resonanzkörper die unbewussten Ängste, Gefühle und Konflikte des „erzählten“ Patienten wider. In dieser Resonanz werden die Ärztinnen und Ärzte befähigt, die hinter der Erkrankung drängenden biopsychosozialen Klagen empathisch wahrzunehmen und zu übersetzen und flexibel die Perspektive des Betrachters zu wechseln. (Andersson et al. 2002 Family Practice 19(6):623-31)

Supervision: Um die berufliche Praxis selbstkritisch zu reflektieren, vermittelt die Balint-Gruppenarbeit ein Fremd- und Selbstwahrnehmungstraining. (Bauriedl 1985)

Patientenzentrierte Selbsterfahrung: Relevanten und persönlichen Themen aus dem beruflichen Kontext wird ein geschützter Raum gegeben. Die Teilnehmenden einer Balint-Gruppe können in diesem definierten Rahmen ihre eigenen Stärken und Schwächen, ihre gelebten Beziehungsmuster und sich selbst in der Kommunikation mit dem leidenden Menschen erfahren.

Forschung: „Verändern durch Verstehen“ ist ein Leitsatz der Balintarbeit. Die intersubjektive „Arzt-Patienten-Beziehung“ ist Thema der Forschung. (Johnson et al. 2004 Family Medicine 36(4):253-9)

Identitätsstiftung: Durch die Reflexion der eigenen Arbeit und schwieriger beruflicher Situationen kann die Identität für Ärztinnen und Ärzte in der kollegialen Gruppenarbeit sowohl in der Ausbildung wie auch in der selbständigen Berufsausübung gestärkt werden. Hauptthema ist das Training der Gesprächs- und Kommunikationskompetenz. (Mattke & Strauss 2011)

Burn-Out-Prophylaxe: Supervision und Selbsterfahrung werden als die wichtigsten Säulen einer effizienten Burnout-Prophylaxe angesehen. Strategien zu Achtsamkeit und Selbstsorge werden geübt, um schwierige Situationen affektiver Betroffenheit zu meistern. (Flatten 2013)

Messgrößen/Indikatoren:

Die Standesführung der ÖÄK registrierte per Jahresende 2018 circa 2600 erworbene ÖAK-Diplome in Psychosozialer Medizin, circa 2000 ÖÄK-Diplome in Psychosomatischer Medizin und circa 1500 ÖÄK-Diplome in Psychotherapeutischer Medizin. Kommunikation, Gesprächsführung und reflektierte Beziehungsmedizin sind die Angelpunkte dieser ärztlichen Diplom-Weiterbildung.

Die Umsetzung der Maßnahmen für weitere strategische und operationale Ziele befindet sich im Aufbau der klinischen Ausbildungseinrichtungen. Derzeit gibt es in Österreich noch keine empirischen Studien, welche die Balint-Gruppenteilnahme in Bezug auf die Patientenzufriedenheit untersuchten. So ist auf internationale Studien zu verweisen, welche die hohe Effizienz des Trainings in Balint-Gruppen nachweisen (Johnson et al. 2001Fam Med 33:672-677; Johnson et al. 2004 Family Medicine 36(4):253-9; Kjelmand et al. 2004 Patient Educ Couns 55(2):230-5; Cataldo et al. 2005 Fam Med 37(5):328-31; Turner & Malm 2004 Family Medicine 36(2):114-7; Margalit et al. 2004 JGIM 19:485-91).

Die ÖBG steht für qualitätsgesicherte Balint-Gruppenarbeit. Balint-Gruppenarbeit fördert interdisziplinäre Netzwerke.

  • Die ÖBG ist österreichweit mit den anbietenden Institutionen von Weiterbildungslehrgängen in Psychosozialer, Psychosomatischer und Psychotherapeutischer Medizin (ÖAK-PSY-Diplome) vernetzt.
  • In Kooperation mit der Donau-Universität Krems hat die ÖBG 2005 den Universitätslehrgang „Balintgruppenleitung im Gesundheitswesen“ eingerichtet, welcher bereits viermal abgehalten wurde.
  • Balint-Gruppen werden im Rahmen von Ärzte-Kongressen angeboten.
  • Die ÖBG arbeitet in enger Kooperation mit den entsprechenden Gremien der Ärztekammern zusammen: dem Referat für Psychosoziale, Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin, den Kurien der Niedergelassenen Ärzte, den Kurien der Angestellten Ärzte.
  • Die ÖBG ist Mitglied im „Beirat für Psychische Gesundheit“ (Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz) und in der „Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin“ (ÖGPPM).

Beitrag zum Wirkungsziel 1:


Durch das Anbieten der methodischen Elemente in der Balint-Gruppenarbeit, nämlich dem speziellen Training der ärztlichen und therapeutischen Gesprächsführung und Kommunikation, sowie durch das Erlernen einer tragfähigen Beziehungsgestaltung, fördert die Balint-Gruppenarbeit die Verbesserung der Gesprächs- und Kommunikationskompetenz auf professioneller Seite.

In dem intersubjektiven, zwischenmenschlichen Prozess der Resonanz soll die Patientin wie der Patient befähigt werden, das eigene Gesundheits- und Krankheitsverhalten zu reflektieren und eigenverantwortlich und souverän dem Arzt oder der Ärztin mitzuteilen. Weiters insbesondere:

  • die Qualität der Kommunikation und Information in der Krankenversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention weiterentwickeln
  • Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Mitarbeiter/innen als Aufgabe in der Krankenversorgung stärken
  • Erweiterung um Gesundheitsförderungs- und Präventionsinhalte

 

Beitrag zum Wirkungsziel 2:


Im Sinne Michael Balints sind die patientenorientierte Medizin, die Krankheits- und Gesundheitsdiagnostik, die Beziehungsdiagnostik und die Beziehungstherapie als Lernziele definiert. Das Training einer patientenzentrierten Kommunikation und Gesprächsführung wird in den Fokus der Balint-Gruppenarbeit gerückt.

Durch das Training in der Balint-Gruppe soll über die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte das notwendige Bewusstsein in der Bevölkerung gefördert werden, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.

Über das Training in der Balint-Gruppenarbeit soll das Gesundheits- und Krankheitsverhalten der Patientinnen und Patienten gefördert werden. Ebenso soll mit diesem Training das Krankheitsverständnis, der „Informed Consent“, die Einwilligung nach erfolgter Aufklärung, und die „Adherence“, das Einhalten der vereinbarten Empfehlungen der Patientinnen und Patienten verbessert werden.

Die Studierenden der Medizin, die Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung, im stationären Bereich und freier Niederlassung werden auf die gesundheitsrelevante kommunikative Funktion vorbereitet und in der gesundheits-edukativen Kompetenz ihrer Tätigkeit gestärkt. Es geht nicht nur um die fachkundige Behandlung von Krankheiten, sondern vor allem um die Therapie und Beratung kranker Menschen in ihrer persönlichen soziokulturellen Lebenswelt.

Das Ziel ist die professionelle Gesprächsgestaltung seitens des Arztes, der Ärztin, des therapeutisch und im Gesundheitssystem Tätigen. Auf der Basis einer tragfähigen Beziehung wird Empowerment ermöglicht, als Ermächtigung und Übertragung von selbstgesteuerter Kompetenz und Verantwortung für jede Patientin und jeden Patienten. Weiters insbesondere:

 

Zielgruppen:


Zielgruppen der Maßnahme im Setting Gesundheits- und Sozialwesen/(öffentliche) Dienstleistungen

19.06.2019

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