Moderator:in für M&M-Konferenzen

Langtitel der Maßnahme: Ausbildung von Moderator:innen für Morbidity und Mortality Konferenzen in österreichischen Krankenanstalten

Einrichtung: Österreichische Fachgesellschaft für Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen (ASQS)

Zuständiger Leiter: Prof. Dr. Gernot Brunner (Präsident)

Maßnahmenkoordinator: Prof. Dr. Gernot Brunner, gernot.brunner@asqs.at

Laufzeit: März 2022 bis Juni 2025

Schwerpunkt: Gute Gesprächsqualität im Gesundheitssystem, Rahmenbedingungen in Organisationen und Settings

Wirkungsbereich: österreichweit

Beschreibung

Die Durchführung von Morbiditäts- und Mortalitäts(M&M)-Konferenzen kann einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung von Sicherheit und Qualität im Gesundheitswesen leisten https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/QS/M_Mk.pdf
Um den Umsetzungsgrad von M&M-Konferenzen in Österreich zu erheben, hat die Fachgesellschaft für Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen (ASQS) im Jahr 2018 eine breit angelegte Umfrage in österreichischen Krankenanstalten durchgeführt [PLOS ONE; https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0248692; 2021]. Dabei zeigte sich, dass in Österreich der Umsetzungsgrad von M&M-Konferenzen gut war, jedoch eine große Heterogenität in der Durchführung von M&M-Konferenzen bestand.

Ausgangslage

In einem ersten Schritt hat die Österreichische Fachgesellschaft für Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen (ASQS) daher einen Leitfaden („Pocket Guide“) für die Durchführung und den standardisierten Ablauf von M&M-Konferenzen erstellt (http://www.asqs.at/images/files/PRINT-Pocket-Guide-100x100mm-v08-20190924.pdf).

In einem zweiten Schritt hat die ASQS im März 2022 2021 begonnen, Seminare für Moderator:innen von M&M-Konferenzen anzubieten. Die Teilnehmer:innen erhalten dabei Input über die optimale Vorbereitung, Durchführung und Moderation von M&M-Konferenzen (prozeduraler Input). Darüber hinaus werden herausfordernde Situationen, die im Rahmen von M&M Konferenzen auftreten können, in Kleingruppen simuliert und das Handling und die Lösung dieser Situationen trainiert (Soft-Skill-Training). Das Seminar dauert 1 ½ Tage und schließt mit einem Zertifikat der Österreichischen Fachgesellschaft für Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen ab.

In der oben genannten Umfrage in österreichischen Krankenanstalten im Jahr 2018, bei der 982 Chefärztinnen und Chefärzte in österreichischen Krankenanstalten bezgl. des Umsetzungsgrades von M&M-Konferenzen in ihren Abteilungen mittels eines standardisierten Fragebogens befragt wurden, wurden folgende Daten erhoben:

Von den 982 kontaktierten Chefärztinnen und Chefärzte schlossen 314 die Befragung ab, das entspricht einer Responderquote von 32,0%. 203 der Responder (64,7 %) gaben an, dass M&M Konferenzen in ihren Abteilungen implementiert wurden. Chirurgische und internistische Disziplinen zeigten mit 32,8 % bzw. 20,7 % die höchsten Teilnahmequoten, während Geburtshilfe/Gynäkologie und Pädiatrie mit 7,0 % bzw. 3,2 % die niedrigsten Quoten aufwiesen. 111 der Responder gaben an, M&M Konferenzen nicht implementiert zu haben, aber 62 von diesen 111 (55,9 %) waren daran interessiert und 37 waren „vielleicht interessiert“ (33,3 %). Die Hälfte der Chefärztinnen und Chefärzte, die M&M-Konferenzen in ihren Abteilungen bereits implementiert hatten, gaben an, dass sie Optimierungspotentiale sehen. Diese Optimierungspotentiale lagen in den Themenfeldern Shame-and-Blame-Culture, Probleme mit hierarchischen Strukturen, Mangel an Wissen über M&M-Konferenzen sowie Zeit- und Ressourcenmangel.

Zielsetzung

Zielsetzung dieser Maßnahme ist es durch das Angebot einer strukturierten Ausbildung von Moderator:innen für M&M-Konferenzen und die Standardisierung des prozeduralen Ablaufs von M&M-Konferenzen sowohl die quantitative Verbreitung von M&M-Konferenzen in österreichischen Krankenanstalten zu erhöhen als auch die Qualität selbiger zu steigern.

Zielgruppen

  • Zielgruppen im Setting Gesundheits- und Sozialwesen/ (öffentliche) Dienstleistungen: Ärztinnen/Ärzte, Pflege- und Betreuungspersonal, andere nichtärztliche Berufsgruppen (Hebammen, Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten etc.), Berufsgruppen der psychosozialen Versorgung (Psychologinnen/Psychologen, Sozialarbeiter:innen etc.), Gesundheitsförderungsberater:innen, Gesundheitsexpertinnen/Gesundheitsexperten
  • Zielgruppen im Setting Gesellschaftspolitik/Medien: Mitglieder von Vereinen / Verbänden / Interessensvertretungen, Vertreter:innen der Verwaltung oder Politik, Medienvertreter:innen

Methodik

Der Schwerpunkt der Ausbildung für Moderator:innen von M&M-Konferenzen liegt in der Bedeutung der Rollenverteilung bei M&M-Konferenzen, der Erarbeitung der Rolle der Moderator:innen für die erfolgreiche Abhaltung einer M&M-Konferenz sowie insbesonders in einer Standardisierung des prozeduralen Ablauf der M&M-Konferenz. Darüber hinaus werden die Bedeutung von M&M-Konferenzen für die Unternehmenskultur, kommunikative Skills und gruppendynamische Aspekte nach entsprechenden Impulsvorträgen in Kleingruppen diskutiert und erarbeitet. In Rollenspielen wird die Abhaltung einer M&M-Konferenz simuliert, intensiv trainiert und gemeinsam reflektiert. Zum Abschluss des Seminars werden relevante Take-Home-Messages erarbeitet.

Beitrag zum Wirkungsziel 1

Fehler in der klinischen Versorgung, die zu Fast-Ereignissen führen oder im schlimmsten Fall Morbidität oder Mortalität steigern, sind häufig in mangelhafter Kommunikation begründet. Das betrifft sowohl die Kommunikation zwischen den Gesundheitsfachkräften als auch die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten. Qualitativ hochwertige M&M-Konferenzen leisten einen maßgeblichen Beitrag zum individuellen Lernen der Teilnehmer:innen an der Konferenz und darüber hinaus zur konkreten Verbesserung von Strukturen und Prozessen in der jeweiligen Einrichtung. Durch die Durchführung von M&M-Konferenzen wird des Weiteren das Verständnis aller Teilnehmer:innen für die Bedeutung der Optimierung von Team-Kommunikation und patientenzentrierter Kommunikation in höchst relevanter Art und Weise gefördert. Sie leisten damit einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Gesprächsqualität sowie in weiterer Folge zur Entwicklung einer gesundheitskompetenten Organisation. Damit wird die Erreichung von Wirkungsziel 1 des Gesundheitsziels 3 „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“ unterstützt.

17.11.2022
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