Auf Gesundheitskurs – Gesundheitskompetent in Feldbach

Langtitel: Ein Schulungsprojekt zur Förderung der individuellen und organisationsbezogenen Gesundheitskompetenz in Feldbach und der Region Südoststeiermark
Einrichtung: Fachhochschule JOANNEUM University of Applied Sciences, Institut für Gesundheits- und Tourismusmanagement
zuständige Leiterin: Dr. Eva Adamer-König
Maßnahmenkoordinatorin: Kathrin Hofer-Fischanger, BA MA
(geplante) Laufzeit: 1. Jänner 2018 bis 31. Dezember 2020
Status: laufend

Zusammenfassung


„Auf Gesundheitskurs – gesundheitskompetent in Feldbach“ ist ein Schulungsprojekt zur Förderung der individuellen und organisationsbezogenen Gesundheitskompetenz in der Region Südoststeiermark. Im Fokus stehen Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter und Führungskräfte aus Dienstleistungs- und Produktionsbetrieben, aus dem öffentlichen Dienst sowie alle Bürgerinnen/Bürger der Neuen Stadt Feldbach.
Das Projekt zielt auf die Steigerung des Verständnisses von Gesundheitskompetenz bei Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger, den Aufbau von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hinsichtlich Gesundheitskompetenz bei Multiplikatorinnen/Multiplikatoren sowie der Steigerung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.

Für die Messung der Gesundheits- und Mobilitätskompetenz auf lokaler Ebene wird ein Instrument entwickelt und Daten mittels telefonischer Haushaltsbefragung erhoben. Aufbauend auf den Ergebnissen werden zwei Gesundheitskompetenz-Schulungen (für Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger und Multiplikatorinnen/Multiplikatoren in Organisationen) konzipiert und durchgeführt. Es werden Kleinprojekte in Organisationen geplant und umgesetzt. Schulungshandbücher, -materialien und ein MOOC-Online-Kurs stehen nach zwei Projektjahren zur nachhaltigen Nutzung zur Verfügung und werden in weiteren Gemeinden der Steiermark verbreitet.

 

Zielsetzung der Maßnahme:


  • Steigerung des Verständnisses von organisationsbezogener Gesundheitskompetenz bei Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger in der Region Feldbach durch die Entwicklung und Pilotierung von Schulungen
  • Aufbau von Wissen, Fähigkeiten (wie z.B. Kommunikation, Argumentation, Strategieentwicklung) und Fertigkeiten (Methoden und Werkzeuge) hinsichtlich organisationsbezogener Gesundheitskompetenz bei Multiplikatorinnen/Multiplikatoren in Betrieben, Schulen und Vereinen
  • Steigerung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung, einerseits durch die Entwicklung und Pilotierung von Bildungsangeboten für die Bevölkerung und andererseits durch die Kleinprojekte der Multiplikatorinnen/Multiplikatoren

 

Ausgangslage:


Die Gesundheitskompetenz, als die Form relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, hinkt in der österreichischen Bevölkerung laut European Health Literacy Survey (HLS-EU, 2011) im Vergleich zu anderen EU-Ländern nach. In der Steiermark weisen 63% der Bevölkerung eine inadäquate bzw. problematische Gesundheitskompetenz auf, was einen unumgänglichen Handlungsbedarf für dieses Bundesland aufzeigt.

Laut Literatur beeinflussen die Faktoren Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Einkommen sowie Ethnie/Rasse die Gesundheitskompetenz von Bürgerinnen/Bürger maßgeblich.

Die Bevölkerungsstruktur in der Südoststeiermark ist bezüglich diese Prädiktoren für eine schlechte Gesundheitskompetenz besonders benachteiligt. Mehr als 40% der Feldbacherinnen/Feldbacher (von insgesamt 13.328 Einwohnerinnen/ Einwohner) sind über 50 Jahre alt. Im Vergleich zu Gesamtösterreich bzw. der gesamten Steiermark liegt hier die Region deutlich unter dem durchschnittlichen Bildungsniveau. Auch das Lohnniveau ist laut Einkommensstatistik 2015 in der Region Südoststeiermark sehr niedrig. Die Erwerbstätigenquote der 15 bis 64-Jährigen liegt in der Stadt Feldbach bei 70%. Der Anteil von Personen mit einer nicht-österreichischen Staatsangehörigkeit liegt bei ca. 10%, was für eine ländliche Kleinstadt erheblich hoch ist. 51,3% der Bevölkerung sind Frauen. In der Altersgruppe der über 75-Jährigen liegt der Frauenanteil bei 67%.

Die Südoststeiermark, mit der Hauptstadt Feldbach weist im Hinblick auf die Entwicklung und Etablierung eines Projektes zur Gesundheitskompetenz besondere Chancen auf. Feldbach gilt als Schulstadt. Die Unternehmenslandschaft ist klein strukturiert. Es sind Betriebe im Bereich der regionalen Nahversorgung sowie im Dienstleistungs- und Gesundheitsbereich angesiedelt, u.a. Gesundheitsversorgung und Krankenbehandlung z.B. StGKK. Außerdem befindet sich in Feldbach der Stützpunkt von regionalen Bildungsanbietern wie WIFI, VHS und AMS. Durch die Vereinigung der Stadtgemeinde Feldbach mit weiteren sechs Umlandgemeinden seit Jänner 2015 wächst die Großgemeinde „Neue Stadt Feldbach“ auch in Bezug auf gemeinsame Werte und Überzeugungen weiter zusammen, was ein zentrales Potenzial für die erfolgreiche Durchführung eines Modellprojektes darstellt.

 

Methodik:


  • Kooperations- und Netzwerkaufbau mit Dienstleistungs-, Produktionsbetrieben (z.B. Sportfachhandel, Supermärkte, Gesundheitswesen), und Betrieben aus dem öffentlichen Bereich (z.B. Schulen, Ämter)
  • Entwicklung eines Instrumentes und Erhebung der Gesundheitskompetenz (Schwerpunkt aktive Mobilität) in der Bevölkerung
  • Erstellung Ergebnisbericht zur Gesundheitskompetenz
  • Entwicklung und Pilotierung von zwei Schulungskonzepten (Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger und Multiplikatorinnen/Multiplikatoren)
  • Erstellung von zwei Handbüchern zu den Schulungskonzepten (inklusive Schulungsmethoden, -inhalte, -materialien sowie organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen für die Schulungen)
  • Entwicklung Bildungsangebot für die Bevölkerung
  • Aufbau/Betreuung eines MOOC-Online-Kurses „Massive Open Online Course“ zur Wissensvermittlung an Interessierte
  • Begleitung von 15 Kleinprojekten, die von Multiplikatorinnen/Multiplikatoren in der Schulung geplant und selbständig umgesetzt werden
  • Prozessorientierte Selbstevaluation sowie externe Evaluation
  • Planung und Durchführung von Workshops zur Vorstellung der Schulungskonzepte bei Vertreterinnen/Vertretern aus anderen Bezirken
  • Verbreitung der Ergebnisse bei Kooperationspartnerinnen/-partnern, in der lokalen und steiermarkweiten Öffentlichkeit, bei Kongressen/Tagungen und in der Public Health Community

 

Beitrag zum Wirkungsziel 3:


Das Projekt „Auf Gesundheitskurs – Gesundheitskompetent in Feldbach“ trägt in erster Linie zur Erreichung des „Wirkungsziel 3: Gesundheitskompetenz im Dienstleistungs- und Produktionssektor verankern“ bei. Bekanntlich werden die meisten Gesundheitsentscheidungen im Alltag (sprich außerhalb des Krankenversorgungssystem) getroffen (Kickbusch, 2006; Franke, 2012; BMG, 2013). Daher ist es von großer Bedeutung, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass den Bürgerinnen/Bürgern die gesunde Entscheidung leicht fällt. Mit dem vorliegenden Projekt wird die Gesundheitskompetenz des Dienstleistungs- und Produktionssektors verbessert. Dienstleistungssektor umfasst all jene Wirtschaftszweige, die Dienstleistungen durchführen. Dazu gehören beispielsweise Handel, Verkehr, sonstige Unternehmungen oder freie Berufe, die Dienstleitungen erbringen, aber auch Organisationen ohne Erwerbscharakter wie auch Gebietskörperschaften. Typische Dienstleistungsberufe sind also Kaufleute, Techniker, Verwaltungskräfte, Verkehrsberufe, Gesundheitsdienst- und Erziehungsberufe (Gabler Wirtschaftslexikon, 2017). In diesem Sinne umfasst die Zielgruppe für die im Projekt geplanten Schulungen Entscheidungsträgerinnen/-träger wie auch Multiplikatorinnen/Multiplikatoren in Stadtverwaltung, Betrieben, Schulen und Vereinen. Insbesondere durch die Entwicklung und Umsetzung von Kleinprojekten in den Organisationen durch die Multiplikatorinnen/Multiplikatoren wird Gesundheitskompetenz – vor allem auf Organisationsebene – in den Dienstleistungsbetrieben verankert. Damit werden im Dienstleistungssektor in Feldbach Rahmenbedingungen geschaffen, die den Kundinnen/Kunden dieser Organisationen, gesundheitskompetente Entscheidungen ermöglichen oder diese zumindest erleichtern.

09.10.2018

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