Aktuelle Gesundheitskompetenz-Initiativen in Europa

Die ÖPGK und österreichische Initiativen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gelten in Europa als Beispiele guter Praxis. Unsere Nachbarländer beginnen konkrete Strategien zu Gesundheitskompetenz zu entwickeln und Maßnahmen zu planen. Dabei ist die österreichische Expertise immer wieder gefragt.

 

In den letzten Monaten waren Vertreterinnen/Vertreter der ÖPGK bei wichtigen Tagungen und Meetings mit Fachreferaten und in beratender Funktion vertreten.

 

Deutschland: Drei Handlungsfelder der Gesundheitskompetenz


Unter dem Motto „Gesundheitskompetenz – Verstehen und Verständnis“ lud die deutsche Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am 13.9. 2017 zu einer Fachtagung ein. Im Mittelpunkt stand das Thema Gesundheitskommunikation. Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit erklärte die Aufgaben der im Juni 2017 gegründeten „Allianz für Gesundheitskompetenz“ als Koordinierungsstelle für Initiativen, um die Gesundheitskompetenz der Deutschen zu verbessern. Stroppe sieht drei Handlungsfelder: Die Verbesserung der Gesundheitsbildung, leicht zugängliche und verständliche Gesundheitsinformationen und eine bessere Ausbildung für das Arzt-Patienten-Gespräch. Vorbild für Deutschland auf dem Gebiet der Gesundheitskompetenz sei übrigens Österreich, erwähnt die KBV in ihrem Bericht über die Tagung, mit dem Hinweis auf die ÖPGK. Die Entwicklung der ÖPGK war auch Thema eines Vortrags. Ein Kontrast zum wissenschaftlichen Teil der Tagung war der Vortrag des Arztes und Autors Dr. Eckart von Hirschhausen. Er plädierte dafür, die Patientinnen und Patienten mehr zu Wort kommen zu lassen und betonte die menschlichen Aspekte der Medizin.

 

WHO/Europa: Indikatoren zur Messung von Gesundheitskompetenz entwickeln


Vom 11. bis 14.9. 2017 trafen sich führende Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitspolitik zum Regionalkomitee der Europäischen Region der WHO. Bei dem jährlichen Treffen werden gesundheitspolitische Prioritäten für die Gesundheit der rund 900 Millionen Menschen dieser Region festgelegt. Die Rede von Zsuzanna Jakab, der WHO-Regionaldirektorin für Europa, stand unter der Maxime ‚Niemanden zurücklassen‘: „Wir müssen die Gesundheit in den Mittelpunkt der Entwicklung rücken und dabei das Recht auf Gesundheit, Chancengleichheit, Gerechtigkeit, Universalität und Solidarität hervorheben.“ Jakab unterstrich die Bedeutung von Gesundheitskompetenz als eine wichtige Säule für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der „Agenda 2030“, die auf dem Programm „Gesundheit 2020“ aufbaut. Im Plenum diskutierten die Mitgliedsländer unter anderem die Entwicklung von Indikatoren zur Messung von Gesundheitskompetenz. Von Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz wurde die Einrichtung eines WHO Action Networks zur Messung von Gesundheitskompetenz – zunächst unter österreichischer Koordination – angekündigt. Bis dato arbeiten im Netzwerk bis zu 15 Länder aktiv mit. Neben den deutschsprachigen Ländern zählen dazu beispielsweise die Niederlande, Portugal und Kasachstan.

 

Tschechien: Gesundheitskompetenz-Institut gegründet


Am 4. 10. 2017 fand in der Tschechischen Republik eine Fachtagung zu Gesundheitskompetenz im Prager WHO-Büro statt. Anlass war die Gründung eines nationalen Gesundheitskompetenz-Instituts. Im Rahmen der Tagung wurde ein Workshop zur Entwicklung einer nationalen Gesundheitskompetenz-Strategie abgehalten. Dazu waren Prof. Jürgen Pelikan und Dr. Christina Dietscher von der ÖPGK zur Beratung im Rahmen von Workshops und für zwei Fachreferate eingeladen.

 

Gesundheitskompetenz in der OECD


Die OECD untersuchte den Stand der Umsetzung von Gesundheitskompetenz-Maßnahmen in den OECD-Ländern. Ein Entwurf des Berichts dazu wurde am 10. 10. 2017 bei einem Expertengruppen-Treffen in Paris vorgestellt. Demnach arbeiten bereits 45 Prozent der OECD-Staaten mit einer nationalen Definition von Gesundheitskompetenz, 60 Prozent der Staaten haben zumindest einmal eine Messung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung durchgeführt und 41 Prozent haben entweder eine nationale Strategie zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz – oder sind gerade dabei, eine solche einzuführen. Österreich war eingeladen, die Erfahrungen mit seiner nationalen Strategie zu präsentieren, die als ein Beispiel guter Praxis gilt. Die Präsentation stieß auf lebhaftes Interesse.

Autorin: Mag.a Dr.in  Christina Dietscher, Vorsitzende des Kern-Teams der ÖPGK

23.11.2017

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