Verbesserung der Gesprächsqualität in der Krankenversorgung. Strategie zur Etablierung einer patientenzentrierten Kommunikationskultur

Autorinnen/Autoren: Bundeszielsteuerungskommission
Erscheinungsjahr: 2016

Auf der Basis der Grundlagenarbeiten (Sator et al. 2015a,b) wurde als eine prioritäre Maßnahme zur Umsetzung des Rahmen-Gesundheitsziels 3 „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“ eine Strategie der Zielsteuerungspartner zur Verbesserung der Gesprächsqualität in der Krankenversorgung erarbeitet. Die Strategie wurde am 1. Juli 2016 durch die Bundes-Zielsteuerungskommission beschlossen und am 13.10. 2016 im Rahmen der ÖPGK-Jahreskonferenz öffentlich präsentiert.

Ziel der Strategie ist es, inhaltliche Orientierung für die Entwicklung der Kultur und der Prozesse von Gesprächsführung in der Krankenversorgung zu geben.

Was ist gute Gesprächsqualität?

Gute Gesprächsqualität setzt eine grundlegende Ausrichtung auf das Modell der partnerschaftlichen, patientenzentrierten Medizin voraus. Gesprächsqualität umfasst vier zentrale Ebenen:

  • die sprachlich-interaktive Ebene (Gesprächsführung),
  • die inhaltliche Ebene (Fachinhalte),
  • die psychosoziale Ebene (Beziehung) und
  • die Ebene des Gesprächssettings (Umfeld).

Das Gespräch zwischen Gesundheitsdiensteanbietern (GDA) und Patientinnen/Patienten ist als unerlässliches pflegerisches, diagnostisches und therapeutisches Werkzeug zu verstehen. Es ist lehr- und lernbar und kann strukturell unterstützt und gesteuert werden.

Gute Gespräche sind hochrelevant für die Outcomes der Krankenversorgung

Gute Gesprächsqualität hat positive Effekte auf

  • Gesundheitszustand
  • Gesundheitsverhalten
  • Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten
  • Patientensicherheit
  • Häufigkeit von Klagen wegen Behandlungsfehlern
  • Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter und
  • ökonomische Belastungen für Patientinnen/Patienten, Ärztinnen/Ärzte und das gesamte Gesundheits- und Krankenversorgungssystem

Status quo in Österreich

Europaweite Befragungen von Patientinnen/Patienten zur Arzt-Patient-Kommunikation, wissenschaftliche Analysen und Interviews mit Expertinnen/Experten zeigen: Die Gesprächsqualität in Österreich hinkt dem EU-Durchschnitt hinterher. Kommunikative Kompetenzen haben Eingang in die medizinische Ausbildung gefunden, im Alltag der Krankenversorgung sind sie jedoch noch zu wenig umgesetzt.
Strategische Handlungsempfehlungen
Für die Verbesserung der Gesprächsqualität in der Krankenversorgung braucht es mehr als individuelle Einzelinitiativen, die meist von individuellem Engagement und der Motivation von Einzelpersonen abhängig und oft zeitlich begrenzt sind. Die bundesweite Gesamtstrategie gibt Orientierung für die systematische Entwicklung der Kultur und der Prozesse von Gesprächsführung in der Krankenversorgung. Dazu werden Handlungsempfehlungen in vier Handlungsfeldern formuliert, um letztlich Gesundheits-Outcomes zu verbessern:

  • Strategie- und Kulturentwicklung
  • Evidenzbasierte Qualitätsentwicklung
  • Aus-/Weiter-/Fortbildung
  • Organisationsentwicklung

Wie geht es weiter?

2017 sollen die priorisierten Handlungsempfehlungen in enger Abstimmung mit den relevanten Stakeholdern schrittweise als Maßnahmen konkretisiert und deren Umsetzung gemeinsam mit Stakeholdern vorbereitet werden.

 

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